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In Anlehnung an die geologischen Bedingungen bildeten sich in Westfalen und im
Münsterland auch die Verkehrswege aus. Charakteristisch für das Münsterland
ist das Fehlen einer zentralen leistungsfähigen Wasserstraße, so daß in erster
Linie Landwege dem Warenverkehr dienten.
Der Transport wurde zwar vorwiegend auf dem Land betrieben,
aber auch die teilweise schiffbaren Flüsse wie die Lippe, die Ems und die
Berkel wurden für den Warentransport benutzt. Entlang der Ems entstanden
vor allem im Niederstift Münster ein Netz von periodischen Märkten im Handel
mit den Friesen.
Die Fernhandelsstraßen machten das Münsterland zu einem typischen
Durchgangsland für den wirtschaftlichen Transport. Die Straßenführung wurde
bedingt durch die Höhenunterschiede des Bodens und durch natürliche
Furten. Die Städte
entwickelten
sich entlang von natürlichen Knotenpunkten und bestimmten erst nach der
Stadtwerdung und der festen Verankerung von administrativen, militärischen
und wirtschaftlichen Verflechtungen auch den Verlauf der Verkehrswege.
Bei der Betrachtung der Entstehung der westfälischen Städte
fallen einige wesentliche Punkte bei den Städten vor 1180 auf:
Die Stadt als Bürgergemeinde entwickelte sich bei einem bereits
existierenden vorstädtischen Kern, der entweder ein Bischofssitz
(Minden, Münster, Osnabrück und Paderborn) oder ein Königshof
(Dortmund) war. Die Entwicklung zu einer Stadt wurde
vorangetrieben durch ihre Lage an Fernhandelsstraßen. Die von
(Poeschel 1968) erstellten Karten bestätigen die Aussage Carl Haases,
daß der ,,Fernhandel
3#3...4#4 die entscheidende Triebkraft der Entwicklung
gewesen ist.``
Für Münster galt eine
Einschränkung: anfänglich lag die Siedlung Mimgernaford nur auf einer
wichtigen Fernhandelsstraße, die weiter östliche liegende Siedlung
Warantharpa (Warendorf) wäre als Bischofssitz besser geeignet gewesen, weil sie an der
Emsfurt und auf dem Weg von Soest nach Osnabrück an einer verkehrstechnisch
günstigeren Position lag (cf. Kap. 2.2 und Kap. 3.2).
Das Münsterland wurde von wichtigen Fernhandelsstraßen passiert, die
nach der Gründung Lübecks 1159 und der wirtschaftlichen Erschließung des
Ostseeraums durch die deutschen Kaufleute auch aus Westfalen und dem Rheinland an
zentraler Bedeutung für den Warenverkehr vor allem vom Rhein in den Norden
gewannen:
- Im Süden wurde es
gestreift vom Hellweg, der vom Rhein/Duisburg über
Dortmund, Soest und Paderborn nach Nordosten ging, der aber keine direkten
wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Münsterland hatte.
- Vom Rhein/Köln verlief über Dortmund, Münster und Osnabrück eine
Fernstraße (Rheinische Straße), die weiter nach Norden, nach Bremen, Hamburg und Lübeck ging.
- Von und nach Holland und Flandern gerichtete Straße, vor allem von
Münster nach Deventer, und dann weiter nach Brügge und Antwerpen.
- Von Friesland und Groningen über Münster in das Rheinland gehende
Straße (Friesische Straße).
Das Münsterland wurde durchzogen von einem Netz unterschiedlich stark
frequentierter
Fernhandelsstraßen, die zum einen die Süd-Nord-Richtung und zum anderen die
West-Ost-Richtung bedienten. Es war ein Durchgangsland für den Warenverkehr
vom Rhein in den Ostseeraum und von dort nach Flandern und Holland und
zurück. Die Städtebündnisse des 13. und 14. Jahrhunderts zum Schutz vor
Angriffen und vor allem zur Sicherung der Handelsstraßen zeigen die zentrale
Bedeutung der Straßen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
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stern89
2001-09-09