Bei Beuys spielt das Verhältnis von Ost und West im globalen Zusammenhang, von östlichem und westlichem Denken eine zentrale Rolle. Zur Überwindung der Ost-West-Gegensätze und der Geist-Materie-Trennung sieht er im «Nomadischen» das adäquate Mittel. Der Hase ist auch hier ein Vermittler, da er als ein nomadisches Tier gilt. Beuys erklärt zum Symbol des Hasen: ,,Wir leben in einer nomadischen Kultur; der Geist muß ohne feste Weltanschauung auskommen.`` Das Nomadische ist weltoffen und antinational. Die Symbiose der Energien findet im Begriff «Eurasien» seinen Ausdruck. Eurasien ist der Zusammenschluß von Ost und West, eine Überwindung der Trennung Europas, ein utopischer Ort der neuen Gesellschaft. ,,[Der Hase] ist das Element der Bewegung, der Aktion, die den starren Kunstbegriff ändert. Dann ist er ein Bewohner von Eurasien, der über alle Grenzen hinweggeht und sogar mit der Berliner Mauer fertig wird.``7 Wir finden in Beuys sowohl in bezug auf das Zeichen der Kaninchen/Hasen als auch in der Überwindung von Geist-Materie- und Okzident-Orient-Gegensätzen einen wichtigen Vorgänger für Karla Sachse.
Beuys hatte sich zeitlebens auch mit der Teilung Deutschlands und der Mauer beschäftigt, für die er unter anderem vorschlug, man solle sie aus ,,ästhetischen Gründen`` um 5cm erhöhen. Das sollte 1963 die ideologisch aufgeladene Debatte um die Berliner Mauer ein wenig ad absurdum führen. Neben Aktionen zum Thema Ost-West wie zum Beispiel die «Richtkräfte» von 1964, plante er zur Ausstellung «Zeitgeist» im Martin-Gropius-Bau 1984 einen Lehmberg als Rampe vor die Mauer zu setzen, damit die Kaninchen die Mauer überklettern könnten: ,,Ich wollte den Lehmberg als Rampe direkt an der Stresemannstraße aufschichten, damit wenigstens die Kaninchen rübergucken und rüberlaufen können. Aber dafür hätte ich lange mit den Alliierten verhandeln müssen ...``8. Karla Sachse führt den Gedankengang von Beuys auf vielleicht weniger allumfassend gedachtem Niveau weiter. In ihrem Vorschlag für das Kaninchenfeld gibt es keine Äußerungen, die einen direkten Bezug zu Beuys zulassen. Aber in ihrer Beschreibung der Arbeit als der ,,Unterwanderung der Mauer`` und als ,,Zeichen [...] für widerpenstiges Leben im zukünftigen Berlin`` lässt sich auch etwas von der subversiven Kraft erahnen, die Beuys den Kaninchen beim Überklettern der Mauer zugedachte. Zum Thema Übergang liesse sich wohl kein besseres Symbol finden als der Hase bzw. das Kaninchen.