Das Kaninchen und sein Verwandter der Hase sind in vielen Kulturen seit
altersher Symbol für Fruchtbarkeit, zum Beispiel in Ägypten das Attribut
der Göttin Unut und in der griechischen Mythologie das Symbol des Lebens und
Opfertier der Göttin Aphrodite. In der christlichen Symbolsprache werden
Jäger häufig mit dem Teufel gleichgesetzt und die Hasen sind das Symbol der
verfolgten Seelen. Die vom Teufel verfolgten Menschen finden Zuflucht bei
Gott. In folge dessen entwickelt sich bei Ambrosius der Hase als Symbol der
Auferstehung. Die Bedeutung des Hasens als Symbol der Auferstehung und der
Reinkarnation ist auch bei anderen Kulturen zu finden. Ebenso gilt der Hase
als Nachttier dem Mond zugehörig. Der Mond, das Licht in der Finsternis,
überträgt seine Kräfte auf den Hasen. Mit der Idee des Hasen als Mondtier
verbindet sich das Element des Zyklus, der Wiederkehr und der Zeit. Drei oder
vier Hasen in einem Kreis erscheinen in romanischen und gotischen Kathedralen
als Zeichen der Zeit und des wiederkehrenden Zyklus ebenso wie als Zeichen
der Auferstehung Jesu. Im sog. Volksmund wird mit dem Hasen aber auch
Feigheit und Schwächlichkeit in Verbindung gebracht. So wird er in Cesare
Ripas Iconografia als Zeichen der Furchtsamkeit, Fruchtbarkeit und
Unbeständigkeit verwand. Im 20. Jahrhundert taucht er unter anderem bei
Hundertwasser als Antikriegsparabel auf, und bei Joseph Beuys ist das Tier
von zentraler Bedeutung: ,,Der Hase macht das ganz real, was der Mensch
nur in Gedanken kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau.``
Chausseestraße: Karla Sachse. Kaninchenfeld
Chausseestraße: Karla Sachse. Kaninchenfeld
Der Hase bei Beuys