Das Kaninckel ist auch der Inbegriff der Vermehrung, das in manchen Fällen sich zur Plage entwickeln kann. Die langsame Vermehrung friedlicher Demonstranten trug sicherlich dazu bei, das DDR-Regime zu stürzen. Vielleicht hätten die Menschen auf den Montagsdemonstrationen in Leipzig die Idee von Karla Sachse vorwegnehmen und ein Kaninchen als Symbol nehmen sollen. Vielleicht sind aber auch, wie es die TAZ in ihrer Ausgabe vom 11.9.1996 vorschlägt, die Kaninchen ,,eine gelungene Anregung, mal über den allzu stolzen Bundesadler nachzudenken``. In jedem Fall entzieht sich die Künstlerin einer politisch-ideologischen Didaktik und stößt ähnlich wie auch Thorsten Goldberg die Passanten eher zufällig auf Konfrontationspunkte, ohne ihnen die Denkschablone gleich mitzugeben.
Die in die Straße und in den Gehweg eingelassenen Kaninchen tragen inzwischen die ersten Spuren einer Transsubstantiation: Durch die Autos und Fußgänger abgenutzt gleichen sie sich in Farbe und Oberflächenbeschaffenheit dem Stein und Asphalt immer mehr an und fallen den PassantInnen immer weniger auf. Mit der Zeit unterwandern sich diese Kaninchen selbst.