Insgesamt war das Münsterland als ein Durchgangsland für den Transport von
Waren anzusehen, das nur wenig eigenständiges Gewerbe mit Produkten für den
Exporthandel entwickelt hat.
Der Hauptexportartikel war Leinwand, aber auch
Sandstein aus den Baumbergen wurde vor allem in den Ostseeraum exportiert -
an wenigen Stellen im Süden wurde auch Eisenerz gefördert und gehandelt, jedoch blieb
dieser Handel noch marginaler. Der größte Teil des Wirtschaftslebens spielte
sich innerhalb des Nahverkehrs ab, in der Lebensmittel-, Vieh- und
Waldwirtschaft. Hauptträger des Nahhandels waren Bauernhändler, die sowohl den
Acker bestellten und teilweise im Tuch- und Ledergewerbe tätig waren, als
auch ihre Erzeugnisse auf Regionalmärkten vertrieben. Eine eigene Bürgerschicht von
Kaufleuten war nur in wenigen Städten wie etwa in Münster und Coesfeld
anzutreffen, also Städten des Fernhandels. Der
lokale Austauschbedarf wurde in den kleineren Städten und Siedlungen vor allem
durch Bauern vorgenommen, die im Münsterland durch die sogenannten
Kiepenkerle, Wanderhändlern ergänzt wurden. An dieser Stelle kann kein Überblick über die
wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb und außerhalb des Münsterlandes
gegeben werden, sondern es soll versucht werden, die Haupthandelsrichtungen
aufzuzeigen.
Gekennzeichnet wurde der westfälische Fernhandel durch die bereits erwähnte
Durchganssituation und den Wanderhandel, geprägt waren seine Beziehungen zu
anderen Städten vor allem im Ostseeraum aber auch durch die große Zahl von
Abwanderern aus Westfalen in diesen Raum. Aus Westfalen und aus dem
Münsterland stammten viele der Bürger (zum Beispiel die de Warendorp in
Lübeck)
und auch einige der
von Fritz Rörig gezählten Gründerfamilien (die de Bocholt und de Coesfeld)
und die später am Handel tätigen Kaufleute, die über Lübeck in die Städte
entlang der Ostseeküste kamen. Die familiären Bindungen in
das Münsterland hinein waren in der Kaufmannshanse eine wichtige Grundlage des Handels.
Das Münsterland bestand aus zwei hansischen Quartieren, die auf zwei älteren
sächsischen Gauen aufbauten, dem Quartier Up'm Drein (Dreingau) und dem
Quartier Up'm Braem (Braemgau). Sie waren Teil des späteren Westfälischen Viertels auf den Hansetagen,
das dann dem Kölner Drittel zugeschlagen wurde. Im 13. Jahrhundert läßt sich
nur wenig über die hansischen Beziehungen ablesen, war sie zu der Zeit doch
vornehmlich auf den direkten Kontakt von Kaufleuten aufgebaut und weniger
verfestigt als ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Städtehanse sich
strukturierte. Innerhalb Westfalens stand Münster bis in das 15. Jahrhundert
hinein hinter Dortmund und Soest in handelstechnischer Sicht an dritter
Stelle. Münsterländische Kaufleute wurden in den Kontoren von Wisby-Nowgorod
von Soester und Dortmunder Aldersleuten vertreten, ebenso bis in das 14. Jahrhundert hinein in Antwerpen. Vor allem in Livland und hier in den Städten
Riga, Dorpat und Reval konnten
Münsterländer Kaufleute neben den Soestern eine wichtige Stellung erringen,
wie es die ,,Münsteraner Stube`` in Riga zeigt.
In dem Handelsvertrag von Smolensk 1229
wurden u.a. Vertragspartner aus den Städten Dortmund, Soest und Münster
genannt,
was die bereits im 13. Jahrhundert bestehenden weiten wirtschaftlichen
Verflechtungen auch der Münsterländischen Kaufleute zeigt. Im Londoner
Kontor, in dem Köln die stärkste Stadt war, konnten sich die Westfalen als
das zweite Drittel unter der Führung von Dortmund etablieren.
Hauptexportartikel waren die Leinwand, Bier und Korn, Hauptzwischenhandel
wurde mit Wein aus dem Rheinland nach Westen und mit englischer Wolle und
flandrischen Tuch in das Baltikum betrieben.
Für den Binnenhandel im Stift
Münster fördernd waren zum einen die Zollfreiheit für münsteraner Bürger und
zum anderen die Einrichtung von 4 Jahrmärkten zu je 5
Tagen in Münster als Zentralmarkt, zu dem dann zur Kennzeichnung des besonderen Marktrechtes das
Sendschwert am Rathaus aufgehängt wurde.
Innerhalb des Münsterlandes nahm wie bereits erwähnt das westliche
Münsterland, das Braemquartier, eine besondere Stellung ein, weil sich die Städte um Coesfeld
herum einem starken Handel mit Holland und Flandern und besonders mit der Stadt
Deventer öffneten.
So galt in Bocholt, das an der nach
Holland fließenden Bocholter Aa liegt,
zum Beispiel der Deventer Pfennig als Zahlungsmittel.
In diesem Städtekreis, dem im 13. und 14. Jahrhundert die Städte
Coesfeld, Borken und Bocholt (Stadtbildung bis 1240), Vreden, Haltern,
Horstmar und Lüdinghausen (bis 1290), Burgsteinfurt, Ramsdorf und Dülmen (bis
1350) angehörten, waren sechs Städte spätere Hansestädte:
Unter dem Teiloberhof Coesfeld organisierten sich Bocholt,
Borken, Dülmen, Haltern und Vreden im hansischen Städtebund. Von Coesfeld aus
führte ein wichtiger Warenaustausch entlang der Berkel über die Ijssel nach
Deventer, der in einem Vertrag 1293 gefestigt wurde. Die Öffnung zum
niederländischen Raum nach Nordwesten, vor allem durch die Benutzung der
Berkel und der Ijssel, stellt eine der ,,wenigen westfälischen
Eigenhandelswege``
dar, die sich
bis zu den Ijsselhäfen und dann über die Nordsee bis nach England, Norwegen
und dem Ostseeraum erstreckten. Zu den gehandelten Gütern zählte neben
wald- und agrarwirtschaftlichen Produkten vor allem die Leinwand, die in
einer Privileg des dänischen Königs Abel 1251 (HUB, Bd. I, Nr. 411) an
die Umlandfahrer genannt wurde. Seit dem
9. Jahrhundert war der Anbau von Flachs und Hanf im Münsterland bekannt.
Neben diesem ,,Exportgewerbe``
wurden auch im westlichen Münsterland Tuche und Wein aus dem Rheinland
weitergehandelt.