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Auch im Fall des Weichbildrechts spielten
wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle.
Karl Kroeschell
hat 1960 eine Analyse des
Rechtsbegriffs des Weichbildrechts vorgelegt. Nur kurz soll hier die
Bedeutung dieses für die Herrschaftsintensivierung wichtigen Instruments
erläutert werden. Im Münsterland ist es zum ersten mal 1178 bezeugt, als der
Bischof Hermann II. dem Stift Überwasser Teile seines Bodens nach
Weichbildrecht gab. Im Prinzip lief dieser Vorgang an den meisten Orten
ähnlich ab: Der Bischof vergab Teile seines eigenen Bodens in der Nähe von
bereits bestehenden Siedlungen in kleineren Parzellen an die Bevölkerung,
damit diese dort siedeln, wirtschaften und den Boden weitervererben
konnten. Mit dem Weichbild waren bestimmte städtische Rechte verbunden, wie
,,Zuzugsrecht, Selbstverwaltung und Markt``
, aber die Bürger verblieben in bestimmten
Pflichtverhältnissen zum Stadtherren wie Heergewäte und
Gerade. Die Bürger waren
ebenfalls verpflichtet, den Landesausbau durch die Kultivierung der Böden,
sowie die Versorgung des Umlandes und der Städte durch Tier- und Forstwirtschaft
voranzutreiben. Die städtische wurde mit
der ländlichen Wirtschaft in einem Weichbildbezirk eingebunden: er war durch
vier Friedenspfähle gekennzeichnet und war damit einer territorial bestimmten
Wirtschaftskonzeption unterworfen.
Das Weichbildrecht bot vormals dem Landrecht unterworfenen Bauern bestimmte
städtische Freiheiten, ließ es aber nicht zu, daß sich eine eigenständig
politische Bürgerschicht entwickeln konnte. Die entscheidenden Impulse
lagen durch diese Konzeption beim Landesherren und nicht bei der Bürgerschaft.
Es wurde seit dem Ende des 12. Jahrhunderts zur
Entwicklung von Ortschaften zu stadtähnlichen Siedlungen und dann zu Städten
eingesetzt und diente damit der Erschließung, Konsolidierung,
wirtschaftlichen Entwicklung und politisch-militärischen Sicherung des
Territoriums. Bocholt erhält wicbelede 1201, Beckum 1231, Telgte
1238 und Ahlen 1246. Für die Bürger wirkte sich die Erhebung ihrer Siedlung
zu einem Weichbild oder Wigbold wirtschaftlich positiv aus und der Herrscher konnte seine
Position festigen: ,,Schon die Nennung dieser wenigen Städte weist
darauf hin, daß die einzelnen Bürgergemeinden in der Verfassungswirklichkeit
eine Verbesserung ihrer Stellung erreichen konnten, ja im Hinblick auf die
städtische Wirtschaft wie fast alle westfälischen Mittel-, Klein- und
Minderstädte mit den hansischen Fernverbindungen vernetzt wurden. Doch
bestätigt gerade der frühe Abschluß der Herrschaftsbildung im münsterschen
Territorium die Brauchbarkeit der Konzeption.``
Wigbolde waren ein Instrument zur Schaffung von
wirtschaftlichen Verflechtungen und zur Konsolidierung von Herrschaft und
Territorium.
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stern89
2001-09-09