Übergänge
Die Bandbreite
ihres intellektuellen Einsatzes ging von Schriftstellern (Alfred Döblin,
Franz Kafka, Arnold Zweig, Max Brod, Lion Feuchtwanger),
über Kunst- und Literaturkritiker (Walter Benjamin, Carl Einstein und Karl
Kraus ), Journalisten (Joseph Roth, Siegfried Kracauer),
Filmemachern (Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Max Ophüls und Josef Sternberg), Theaterregisseuren (Max
Reinhardt, Ferdinand Bruckner), Musikern, Komponisten und Dirigenten (Arnold
Schönberg, Kurt Weill, Hanns Eisler, Otto Klemperer, Bruno Walter)
zu Naturwissenschaftlern, Soziologen (Karl Mannheim, Theodor Adorno, Max
Horkheimer, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Georg Lukács) und Philosophen
(Ernst Cassirer, Edmund Husserl, Ernst Bloch). Sie sind in fast allen Gebieten des kulturellen und
wissenschaftlichen Lebens der Weimarer Republik intellektuell stark vertreten. Auffallend ist
aber, daß es wenige Architekten (Erich Mendelsohn), bildende Künstler (z. B. Ludwig Meidner, John Heartfield) und
Bildhauer (z. B. Otto Freundlich) gibt, im
Gegenzug dazu aber unter den Kunsthistorikern und Galeristen sehr viele Juden
gab (Erwin Panofsky, mit Aby Warburg der Begründer der Ikonologischen
Analyse, Max Friedländer, Nicolaus Pevsner, Ernst Gombrich, Paul Cassirer).
über die Verleger und Politiker haben wir ja bereits etwas in den vorherigen
Sitzungen gehört. Diese Namenslisten lassen sich
vermutlich noch eine halbe Stunde lang aufsagen, und doch sagen sie nichts
über den immensen Einfluß und Kreativität aus.
Aber wie schon gesagt, trotz dieser überproportional
großen Anteilnahme am intellektuellen Leben kann man nicht, wie es
die Nazis auf der einen und die in ihrem Leben und Selbstbewußtsein
bedrohten Juden auf der
anderen Seite es getan haben, von der Weimarer Kultur als die Jüdische
Kultur reden. Es gab keine einheitliche Weimarer Kultur, und die
Einflußnahme der Juden geschah in den vielfältigsten Formen und Gebieten
meist nicht als ein spezifisch jüdischer Beitrag. Sie verstanden sich meist
als Teil einer deutschen oder kosmopolitischen Kultur der Aufklärung und
wollten ihren Beitrag auch als solchen verstanden wissen.
Die Kultur der Weimarer
Zahlenvergleiche
Darstellung