Übergänge
Es ist ein wenig müßig, hier mit Statistiken über den jüdische Anteil an
der Weimarer Kultur zu arbeiten, um der Einfachheit halber trotzdem bei diesem Begriff zu
bleiben. Quantitativ waren sie den Nicht-Juden weit
unterlegen, in allen Bereichen, und die Qualität und Einfluß lässt sich schwer per
Zahlenmaterial erfassen (In der Gesamtbevölkerung machten sie 1933 etwa
0,76% aus. Für den Theater- und Musikbereich habe ich einen Anteil von 2,4%
Juden gefunden. Sie waren in diesem Bereich zwar überproportional vertreten,
aber deswegen noch lange nicht zahlenmäßig domnierend). Auch im quantitativen Verhältnis innerhalb der
jüdischen Gemeinden machten Künstler, Musiker und Intellektuelle allgemein
nur einen kleinen Teil aus. (Zum Verhältnis innerhalb der
,,intellektuellen Berufsfelder`` habe ich keine Zahlen gefunden,
Herr Pulzer sagt jedoch in seiner Vorlesung vom 27. Juni 2000, daß von
187.000 berufstätigen Juden nur 859 darin arbeiteten!)
Dazu kommt eine Konzentration wiederum von
moderner Kultur auf Großstädte, besonders Berlin, das 1920 nach
der Eingemeindung der umliegenden Städte als ,,Großberlin`` drittgrößte Stadt
der Welt war (4,3 Mio.). Das geht einher mit einer Konzentration des
jüdischen Lebens in eben diesen Großtädten (von den etwa 500.000 Juden lebten
Fast 70% in Großstädten, d. h. etwas weniger als 200.000 in Berlin und
etwas über 200.000 in Wien. Der Rest war auf Frankfurt, Breslau, Köln,
Hamburg, Leipzig und München verteilt.)
Da die jüdischen Gemeinde als Publikum jedoch in Berlin tendenziell eher der
Moderne und der Avantguarde aufgeschlossener als andere waren
(obgleich sie sich vermutlich im Durchschnitt nicht groß vom Geschmack ihrer Mitbürger
unterschieden), entstand vermutlich der Eindruck der sehr engen Verknüpfung
von moderner Kultur und liberalem Judentum und führte zum Vorurteil der
Judenkultur der Weimarer Republik.
Die Kultur der Weimarer
Die Kultur der Weimarer
Spektrum jüdischer Beteiligung