Übergänge



Die Kultur der Weimarer Republik

Im allgemeinen ist es schwer, über die Kultur der Weimarer Republik zu sprechen. Die Weimarer Republik war politisch wie kulturell in alle Richtungen zersplittert. Grundsätzlich ist es unangemessen, von der Weimarer Republik als der ,,Weimarer Judenrepublik``Hugo Preuß zitiert in Meyer 1997 op. cit., S. 51 bzw. von ihrer Kultur als der ,,Judenkultur`` zu sprechen. Gleichwohl hatten die Juden einen hohen intellektuellen Anteil an den verschiedenen Ausprägungen dieser Zeit. Sie wurden, wie es der Historiker Peter Gay nennt, aus Outsidern Insider. Das galt aber nicht nur für Juden, sondern ganz allgemein war das nachwilhelminische Deutschland offen für vorher von der etablierten Kultur Ausgegrenzte. Es war auf dem Weg zu einer offenen Gesellschaft, in der Expressionisten, Bauhaus, Neue Sachlichkeit und Dadaisten genauso ihren Platz finden konnten, wie die Vertreter der ,,konservativen Revolution`` wie Ernst Jünger und die der Antimodernisten. Moderne und Avantguarde mußten nicht zwangsläufig links sein, wie es das Beispiel der italienischen Futuristen zeigt: Die meisten von ihnen standen dem italienischen Faschismus nahe und sahen in ihm eine revolutionäre Bewegung, der sie sich mit Begeisterung anschlossen.

Die während der Weimarer Republik und danach verfaßten Kataloge jüdischer Leistungen an der deutschen Kultur, die in der Tat beeindruckend sind, muten manchmal etwas trotzig an und boten gerade den Nazis Nährboden für eine vermeintliche Verjudung der deutschen Kultur (wie zum Beispiel Joseph Goebbels' Das Buch Isidor von 1928).

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