Rezeption

Generell war die Rezeption des Wettbewerbs in der Presse anfangs eher verhalten. Da ein langer Zeitraum zwischen der Auslobung, der Preisgerichtsentscheidung und der Ausführung bestand, gab es Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Thematik in der Presse. Die Tendenz ist nach der Veröffentlichung der Entscheidung eher neutral, es scheint sich niemand so recht etwas unter den Werken vorstellen zu können, eventuell gab es auch nicht besonders viel Informationen über den Ausgang. Dem Rahmen des Wettbewerbs entsprechend war die Rezeption mit wenigen Ausnahmen vor allem auf lokale Zeitungen beschränkt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hofft in ihrer Ausgabe vom 20.09.1996, nach Beaknntgabe der Ergebnisse, darauf, daß die Mauer durch den ,,Zaubertrick sinnstiftender Konzepte`` als Relikt ideologischer Kämpfe aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Die FAZ vertritt einen sehr zuversichtlichen Standpunkt in bezug auf die Rolle, die Kunst in einer Geselllschaft spielen könnte. Die Berliner Zeitung vom 13.09.1996 urteilt längst nicht so positiv über die Entscheidung der Jury: Gesteht sie den Werken zwar noch einen ,,Sprung über die Wahrnehmungsschwelle herkömmlicher Stadtmöblierung`` zu, ist sie von der künstlerischen Qualität dann aber doch nicht überzeugt. Relativ harsch wird von ,,bescheidensten Markierungsversuchen``, ,,ästhetischer Impotenz`` und Spielplatz-Ausstattung`` geschrieben, der Jury und den Auslobern ,,Gedächtnisschwund`` diagnostiziert. ,,Lieber schmeißt Berlin wieder einmal eine der wichtigsten Erinnerungsspuren auf den Müll und schickt die Künstler als Lumpensammler gleich hinterher. Damit ist garantiert, daß posthum die ehemalige Schandmauer vollends zur städtbaulichen Schande der Hauptstadt wird.`` Von der Schandmauer zur städtbaulichen Schande, die Berliner Zeitung spart nicht mit Polemik. Drei Jahre nach dem Hauptstadtbeschluß des Bundestags ist zumindest in den Köpfen bestimmter Journalisten Berlin bereits eine Hauptstadt, die sich am angemessensten mit Denkmälern in der Größenordnung eines Mitterand-Auftrags schmücken sollte. Daß es auch von Vorteil sein kann, manchmal auch künstlerisch, sich auf lokaler Ebene zu bewegen wird von einer entfernteren Zeitung wie die FAZ eher anerkannt als von der Hauptstadtpresse.

Die anderen lokalen Zeitungen berichten eher freundlich uninteressiert, bis auf die Tip, deren ebenfalls sehr polemischer Kommentar im Grundtenor von ,,Wer dumm fragt, kriegt auch dumme Antworten!`` steht. Sehr richtig bemerkt die Tip jedoch als einzige, daß in der Ausschreibung eine starke westlastigkeit ins Gewicht schlägt (,,Verdacht eines reinen Westprodukts [...] keine Ostsicht``).

Zu den ausgeführten Arbeiten gibt es auffallend wenig Reaktion. Das mag teilweise an der mangelnden Informationspolitik der Senatsverwaltung liegen, teilweise wohl auch an der verzögerten Ausführung der Arbeiten und den langen Zeitraum zwischen der Fertigstellung der ersten und der letzten Arbeit (Ende 1997 bis Ende 1999). In kurzen Meldungen wurde wieder meist eher neutral berichtet, weiter auseinandergesetzt scheint sich niemand der schreibenden Zunft mit dem Wettbewerb.



Übergänge Sonnenallee: Heike Ponwitz. Übergang Conclusio