Eine Zunahme der Bevölkerung der Siedlung läßt sich am Bau der zweiten Pfarrkirche St. Marien im Westen am Ende des 12. Jahrhunderts und die im Stadtbild planmäßige Erweiterung im Süden und Westen der Stadt ablesen, die ebenfalls noch vor dem Wallbau abgeschlossen war. Zwar deutet das Marienpatrozinium auf den Stadtherren als Gründer und nicht auf Handel treibende Bürger hin, doch ist die Kirche als eigene Pfarrei für die neuen Stadtgebiete angelegt worden, was auf den Zuwachs von Bürger durch die merkantilen Aktivitäten zurückzuführen ist.
Warendorfs Stadtwerdung zeichnete sich durch eine Doppelfunktion als
fürstbischöfliches Verwaltungszentrum mit militärischen Aufgaben und als
merkantiles Zentrum für das östliche Münsterland im Nah- und Fernhandel aus.
Die Teile der Siedlung, die im Ende des 12. und im 13. Jahrhundert
planmäßig angelegt wurden, sind wahrscheinlich durch das Vorbild Lippstadts
geprägt worden, das die erste Städtegründung in Westfalen war. Dessen
Gründer, der Edelherr Bernhard II. zur Lippe, stand in engem Verhältnis zum
Bischof des Bistums Münster und Stadtherrn Warendorfs Hermann II. und teilte
mit ihm ,,in einvernehmlichen Miteinander``
, das sich auch in der gemeinsamen Gründung des
Zisterzensierklosters Marienfelde zeigte, das Bemühen um die Konsolidierung ihrer Herrschaft. Die
salisch-kaiserliche Position Hermanns II. schien der sächsischen
Parteigängerschaft Bernhards II. nicht entgegen zu stehen. Besonders in
Frankreich, im Herrschaftsgebiet Heinrichs II. Plantagenet in der Normandie
und bei Eleonore von Aquitanien hatte er die ,,Konzeption moderner
Städtepolitik``
kennengelernt und
in der Gründung Lippstadts umgesetzt. Hermann von Katzenellnbogen sah
wie Bernhard zur Lippe ,,in einer gezielten Stadtförderungspolitik einen
wesentlichen Ansatz zur Intensivierung ihrer
Herrschaft``
und nahm sich an der
Gründung Lippstadts ein Vorbild für seine eigene Städtepolitik.