next up previous contents
Nächste Seite: Ahlen Aufwärts: Warendorf Vorherige Seite: Topografie der Stadt -   Inhalt

Wirtschaftliche Verflechtung und Bevölkerungsstruktur

Die Siedlung Warendorf war von vornherein nicht durch die Ansiedlung von Bauern wie z.B. in Ahlen oder Beckum geprägt, sondern durch die Funktionen als bischöflicher Amtshof, Mühl- und Burgort. Die Mühle und die Ansiedlung von Ministeralien führte zu einem starken Anwachsen merkantiler Funktion der Siedlung, so daß es bereits im 11. Jahrhundert vier Märkte gab. Diese versorgten zum einen die Stadt und waren für das Umland Nahmärkte, zum anderen aber dienten sie auch als Fernmärkte auf der Fernstraße von Soest nach Osnabrück und auf der immer mehr an Bedeutung gewinnenden Straße von Münster nach Paderborn. Ab 1232 wurde den vier innerstädtischen Märkten zum Zweck des Fernhandels ein mehrtägiger Jahrmarkt zum 21. September außerhalb der Stadt zugeordnet.[*] In erster Linie wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse gehandelt, doch gewann mit zunehmenden Fernhandel auch das Gewerbe, wie zum Beispiel das Schmiede- und Textilhandwerk, an Bedeutung. Je stärker der Markt wurde und je ausgeprägter das Gewerbe, desto selbstbewußter entwickelte sich eine eigene Bürgerschicht neben den Ministerialadeligen. Dies zeigte sich in der wachsenden Zahl von bürgerlichen Ratsherren und in den immer größer und repräsentativer werdenden Häusern an den beiden Hauptstraßen.

Eine Zunahme der Bevölkerung der Siedlung läßt sich am Bau der zweiten Pfarrkirche St. Marien im Westen am Ende des 12. Jahrhunderts und die im Stadtbild planmäßige Erweiterung im Süden und Westen der Stadt ablesen, die ebenfalls noch vor dem Wallbau abgeschlossen war. Zwar deutet das Marienpatrozinium auf den Stadtherren als Gründer und nicht auf Handel treibende Bürger hin, doch ist die Kirche als eigene Pfarrei für die neuen Stadtgebiete angelegt worden, was auf den Zuwachs von Bürger durch die merkantilen Aktivitäten zurückzuführen ist.


Warendorfs Stadtwerdung zeichnete sich durch eine Doppelfunktion als fürstbischöfliches Verwaltungszentrum mit militärischen Aufgaben und als merkantiles Zentrum für das östliche Münsterland im Nah- und Fernhandel aus. Die Teile der Siedlung, die im Ende des 12. und im 13. Jahrhundert planmäßig angelegt wurden, sind wahrscheinlich durch das Vorbild Lippstadts geprägt worden, das die erste Städtegründung in Westfalen war. Dessen Gründer, der Edelherr Bernhard II. zur Lippe, stand in engem Verhältnis zum Bischof des Bistums Münster und Stadtherrn Warendorfs Hermann II. und teilte mit ihm ,,in einvernehmlichen Miteinander``[*], das sich auch in der gemeinsamen Gründung des Zisterzensierklosters Marienfelde zeigte, das Bemühen um die Konsolidierung ihrer Herrschaft. Die salisch-kaiserliche Position Hermanns II. schien der sächsischen Parteigängerschaft Bernhards II. nicht entgegen zu stehen. Besonders in Frankreich, im Herrschaftsgebiet Heinrichs II. Plantagenet in der Normandie und bei Eleonore von Aquitanien hatte er die ,,Konzeption moderner Städtepolitik``[*] kennengelernt und in der Gründung Lippstadts umgesetzt. Hermann von Katzenellnbogen sah wie Bernhard zur Lippe ,,in einer gezielten Stadtförderungspolitik einen wesentlichen Ansatz zur Intensivierung ihrer Herrschaft``[*] und nahm sich an der Gründung Lippstadts ein Vorbild für seine eigene Städtepolitik.


next up previous contents
Nächste Seite: Ahlen Aufwärts: Warendorf Vorherige Seite: Topografie der Stadt -   Inhalt
stern89 2001-09-09