Nächste Seite: Privilegien und Rechtstitel
Aufwärts: Coesfeld
Vorherige Seite: Geologisch-Geografische Lage
  Inhalt
Die erste urkundliche Erwähnung
findet die Siedlung 809 im Zusammenhang mit dem Tod des heiligen
Ludger, als von einer Pfarre ,,im Coesfeld`` berichtet
wurde.
1118 wurde nicht nur die St. Lambertikirche genannt, die wahrscheinlich auf die 809 erwähnte Pfarrkirche
zurückgeht und deren Patrozinium des Heiligen Lambertus aus Lüttich die Ausrichtung der Stadt nach Westen und den Märkten Hollands und Flanderns verdeutlicht, sondern auch der westlich davon gelegene Hof Heinrichs von Coesfeld, eines Neffen der Grafen Gottfried und Otto von
Cappenberg.
In dieser Urkunde wurde
auch erstmals auf die Bewohner des Dorfes Coesfeld bezug genommen, es muß
sich also spätestens zu diesem Zeitpunkt eine größere Siedlung samt
Pfarrkirche dort befunden haben. Mit der Übernahme des Dorfes durch das Stift
Varlar 1126 setzte eine starke Ansiedlung und Entwicklung des Dorfes ein. Das
Kloster vergab Teile des Hofes Coesfeld als Hausplätze, um das Wachstum der
Sieldung zu fördern. Es entwickelte sich westlich der Pfarrkirche das dichter
werdende Dorf mit Straßen zum Kirchort und über die süd-östlich der Kirche
liegende Berkel, deren Aue bei Hochwasser nur an drei Stellen zu überqueren
war. Das Gebiet südlich der Berkel gehörte nicht dem Stift Varlar, sondern war
bischöflicher Grund, auf dem vier große Gräftenhöfe standen.
Dem Eigentümer des Dulmaninghofes, Bernhard Dulmaning, wurde vom Stift Varlar
die gutsherrliche Leitung über das Dorf Coesfeld übertragen, so daß eine gemeinsame Entwicklung des
Gebietes nördlich und südlich der Berkel möglich war. Es blieb jedoch bis
1197 bei einer Konkurrenzsituation zwischen den beiden Teilen: Nachdem der
Abt Jordanus, der Coesfeld auch mit dem Weichbildrecht münsteraner Prägung
versah, die Lambertikirche neu erbauen ließ, tat es ihm der Bischof Hermann
II. mit der St. Jakobikirche im Süden nach, die 1195 vollendet
wurde.
Bestimmt wurde der Stadtgrundriß im 13. Jahrhundert durch die Lambertikirche,
die die Stadt entzweiende Berkel, den rechteckigen Marktplatz, die
vom Marktplatz strahlenförmig auslaufenden Straßen und
die Jakobikirche. Die Straßenführung war vor allem im Südteil der Stadt
regelmäßig, was auf eine stärkere Planmäßigkeit der Ansiedlung schließen läßt. Auf dem Markplatz stand und steht ein Marktkreuz, wie es in Nordfrankreich und besonders
der Champagne üblich war und ist.
Die
einmalige Existenz eines Marktkreuzes in diesem Gebiet ist auf die Zugehörigkeit
des Stifts Varlar zu den ursprünglich aus Nordfrankreich stammenden
Prämonstratensern zurückzuführen.
Der mittelalterliche Grundriß war rund und
hatte einen Durchmesser von 1600 Meter. Die städtische Feldmark lag außerhalb
der Stadtumwallung von etwa 1195 und
ging bis zum Hagen, geschützt durch eine dreifache Umwallung. Die Größe der
Feldmark konnte jedoch nicht genauer ermittelt werden. Eine Stadtmauer
erhielt Coesfeld ab 1303, die im Laufe des 14. Jahrhunderts von sechs
Toren durchbrochen wurde. Die Topografie Coesfelds war typisch für die
kleineren Städte des 13. Jahrhunderts, die Karl Kroeschell
als Weichbildsiedlungstypus definiert.
Nächste Seite: Privilegien und Rechtstitel
Aufwärts: Coesfeld
Vorherige Seite: Geologisch-Geografische Lage
  Inhalt
stern89
2001-09-09