Die Siedlung Ahlen ging in vorkarolingischer Zeit auf ein
Urgogericht und damit einen ,,sächsischen Edelhofs derer von
Ahlen``
im Dreingau
zurück. Nach der fränkischen Eroberung
des sächsischen Westfalens erbaute der friesische Missionar Liudger oder sein Vorgänger Abt
Bernrad ,,eine der ältesten Taufkirchen des
Münsterlandes``
, die spätere Kirche
St. Bartholomäus. An Stelle des sächsischen Hofes trat ein bischöflicher
Hof samt Pfarre für einen Großteil des östlichen Münsterlandes. Die fränkische Mission
übernimmt die sächsischen ,Verwaltungseinheiten`. Das Gebiet des
Gogerichts war anfangs identisch mit dem Kirchenspiel.
Um diesen bischöflichen Hof bildete sich im 12. Jahrhundert die Siedlung
(auf der Karte das gepunktete Gebiet mit dem ,,Alten Hof``).
Das Altstadtgebiet innerhalb der vor 1212 bestehenden Holz-Erde-Befestigung
war
kreisförmig mit einer von Ost nach West verlaufenden Hauptstraße angelegt.
Die Stadtbefestigung wurde zwei mal von dieser Straße durchbrochen, im Osten und
Westen, und verfügte dazu noch im Nordosten, Nordwesten und Südosten über je
ein Tor. Im südwestlichen Teil der Stadt lag das Zentrum, das aus der
Bartholomäuskirche, dem südöstlich an der Kirche gelegenen Rathaus und einem
ostwärts daneben liegenden rechteckigen Marktplatz bestand. Kern der
Stadtentwicklung war der
bischöfliche Hof im Südwesten, um den herum sich wohl seit dem 9. Jahrhundert Handwerker und Landgewerbler niederließen. Seit dem 12. Jahrhundert siedelten entlang der Fernhandelsstraße die ersten
(Fern-)Händler. Die Stadtkarte zeigt, daß der Markt sich nicht an
der Kirche bzw. dem bischöflichen Hof, sondern östlich daneben entwickelte.
(Keyser 1954) geht
davon aus, daß es sich hier um eine planmäßige Stadtanlage handelte. Dies gilt
nicht für die gesamte Stadt, aber wohl für das südöstliche Stadtgebiet und
für Teile des nördlichen, die ein geordnetes Straßenbild aufwies.
(Stoob 1970) zeigt auf einem Katasterplan von 1829 (hier Karte
31), daß die
Grundstücke entlang der Fernstraße von einer regelmäßigen und gleichen Größe
sind, was den geplanten Charakter der neuen Siedlung neben dem bischöflichen
Hof unterstreicht. Archäologische Forschungen ergaben, daß das Kataster von
1829 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die ungefähre Größe auch des
Siedlungsgebietes des 13. Jahrhundert wiedergibt.
Der
Hauptmarkt lag südlich der Fernstraße. Ob die Fernstraße ursprünglich durch
den Markt ging, ist nicht bekannt. Eventuell haben Grundstücksverteilungen im
12. Jahrhundert zu einer Verschiebung der Straße geführt. Die Bezeichnung
einer südlich parallel zur West-Ost-Straße verlaufenden und östlich an
den Markt anschließenden ,,Hellstraße`` erhärtet den Verdacht, daß
ursprünglich der Markt wohl ein Straßenmarkt war und die Fernstraße durch
diesen hindurch verlief. Mit dem Bau der Befestigung und der Planung der Stadtanlage
als Wehranlage vermutlich am Ende des 12. Jahrhunderts durch Bischof Hermann
II. wurde auch die West-Ost-Straße begradigt und der Markt von
einem Straßenmarkt zu einer Marktplatz ausgebaut. (Stoob 1970, S. XXI)
schätzt die Fläche dieses Areals zum Beginn des 13. Jahrhunderts auf etwa 3-4
Hektar. Zu diesem Zeitpunkt
entstanden vermutlich auch weitere Märkte wie der ,,Höner Markt``.
Mit der Befestigung, die Kaufleuten Schutz bot, und dem Markt begann die neue
Siedlung der Kaufleute. Östlich des bischöflichen Kerns entwickelte sich ein
neuer Siedlungskern der Kaufleute. Die Bildung einer Doppelgemeinde von
Bischöflichen Sitz und Jurisdiktion und (Fern-)Kaufleuten mit einem
besonderen Kaufmannsrecht wird von dem Bischof von Münster bewußt geplant
gewesen sein. Anders als in Münster sollte der Stadtherr jedoch von
vornherein die Planungsgewalt in seiner Hand behalten und den Kaufleuten
durch bestimmte rechtliche Zugeständnisse Freiheiten bieten, die sie zur
Siedlung in Ahlen anziehen sollte. Ziel der Ansiedelung von Kaufleuten war
die Steigerung der Wehrhaftigkeit dieser am Rande des Fürstbistums gelegenen
Stadt: ,,Der Initiative der Fernkaufmannschaft danken verschiedene
Städte den Beginn ihrer Wehrhaftigkeit und überhaupt die Hinführung zur
Bürgergemeinde. Der weitere Ausbau der Ahlens zur befestigten Stadt geht
indessen auf eine bewußte Förderung durch die bischöflichen Landesherren
zurück, die um ihrer eigenen Sicherheit willen an diesem Ausbau interessiert
waren.``
Der Bischof förderte diese
Ansiedlung durch die Aufteilung der Wedemhufe der Pfarrkirche in areae und der anderen Ländereien des Bischofs in Siedlungsparzellen. Er
versah diese erst einmal mit Weichbildrecht, das ihm in der Gerichtsbarkeit
und in politischen Entscheidungen die unbestrittene Hoheit beließ, aber den
Kaufleuten und Bauern wirtschaftliche Freiheiten gab, die sie brauchten, um
einen funktionierenden Markt zu entwickeln.
Der Ausbau einer Stadtmauer
begann erst 1271 und bedeutete wohl den Anfangspunkt der zweiten Stadterweiterung
Ahlens von 1270-1290.
Innerhalb dieses Mauerrings, der durch 5 Tore im Abstand von etwa 650 Metern
durchbrochen war, war nur ein Teil besiedelt, der Rest war fruchtbares
Land zur Versorgung der Bevölkerung. Das Stadtgebiet umfaßte etwa 600 Meter
Länge und 300-350 Metern Breite.
Die Feldmark außerhalb der Stadtmauern war noch einmal durch einen doppelten
Erdwall als Landwehr befestigt, dessen Größe dem Autor jedoch nicht bekannt
ist.