Das Anliegen dieser Hausarbeit, die im Rahmen des Seminars ,,Hansische
Märkte`` entstanden ist, ist eine Darstellung der Stadtbildungen
im 13. Jahrhundert im Oberstift Münster.
Gefragt werden soll nach den Bedingungen der Stadtbildung und nach der
Zielsetzung. Ist sie ein Instrument zur Herrschaftskonsolidierung und zur
Territorialbildung für den aufsteigenden Bischof von Münster oder waren
wirtschaftliche Gründe ausschlaggebender, womöglich unter der Initiative von
handeltreibenden Kaufleuten, wie es Fritz Rörig mit seiner
Gründungsunternehmertheorie für Freiburg im Breisgau oder Lübeck
vorschlägt?
Carl Haases Vorschlag einer Schichteneinteilung für die Entstehung
der westfälischen Städte folgend,
soll vor allem die zweite Schicht, der Zeitraum von 1180 bis
1290, der ,,Übergang von Reichsgeschichte zur kleinräumigen
Territorialgechichte``
, betrachtet werden. Das Jahr des
Sturzes Heinrichs des Löwens,
gilt als Startpunkt für die Entwicklung des Städtewesen im Hochmittelalter
in Westfalen. Heinrichs Sturz bedeutet auch das Ende des Stammesherzogtums
Sachsen. Für das vom Fürsten vernachlässigte Westfalen
hieß dies ein Aufblühen der kleineren Territorien, die sich
vorher zwar bereits entwickelten, aber sich nun eigenständig
weiter entfalten konnten und deren Landesherren die Möglichkeit z.B.
der wirtschaftlichen Entwicklung durch Städte geben konnte.
Alle vor 1180
existierenden Städte, die Bischofsstädte Minden, Paderborn, Osnabrück
und Münster und die beiden ,Handelsstädte` Soest und Dortmund,
waren keine planmäßig angelegten Städte und waren zu diesem
Zeitpunkt in ihrer Entwicklung als Stadt abgeschlossen. Sie konnten
in ihrer Fläche als mittelalterliche Großstädte (nach Haase mehr als 50 ha)
angesehen werden und dienten in vielfacher Hinsicht als Muster- bzw. Mutterstädte für die kommenden Stadtbildungen,
die, wie Carl Haase es ausdrückt, ,,wie Pilze aus dem
Boden``
sprossen.
Auf die Diskussion des
Begriffs Stadt soll hier verzichtet werden, statt dessen stellvertretend für
eine sehr große Zahl von Arbeiten auf den Aufsatz
Haases ,,Stadtbegriff und Stadtentstehungsschichten in Westfalen``
von 1958 (erneut abgedruckt in (Haase 1969)) verwiesen werden, der die
Kriterien nach wirtschaftlichen, bevölkerungsstatistischen, topographischen,
rechtsgeschichtlichen und terminologischen Gesichtspunkten diskutiert.
Dargestellt wird im Kapitel 2 zuerst das Oberstift Münster mit seinen verkehrstechnischen und geologisch-geografischen Voraussetzungen und dann die Stadt Münster in ihrer topographischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Entwicklung, ohne daß im Rahmen dieser Arbeit in die Tiefe gegangen werden kann. Im dritten Kapitel sollten ursprünglich 5 Städte (Coesfeld, Warendorf, Bocholt, Ahlen und Telgte) vorgestellt und nach folgenden Kriterien untersucht werden:
Da dies den Rahmen der Arbeit bei weitem gesprengt hätte, werden in diesem
Kapitel nur noch die Städte Coesfeld, Warendorf und Ahlen
untersucht.
Die
oben genannten Kriterien sollten dabei möglichst berücksichtigt werden, doch
ist dies nicht in allen Punkten möglich gewesen. Der Grund ist zum einen ein
großer Mangel an Quellen für das Gebiet und für die Zeit, da bei verschiedenen
Bränden (1121, 1197 und durch die Wiedertäufer im 16. Jahrhundert) ein
großer Teil der Urkunden in Münster vernichtet wurde. Zum anderen konnte der Autor bei
noch nicht erfolgter wissenschaftlicher Analyse diese Aufgabe an dieser
Stelle nicht kompensieren. Ergänzt wird die Arbeit durch einen großen Anhang
mit drei wichtigen Quellen und sehr vielen Karten und Abbildungen.
Der Forschungsstand zu dem Thema ist, wie es die Literaturliste zeigt, zu den einzelnen Städten sehr ausgedehnt und auch aktuell. Westfalen und die hansischen Verflechtungen der Westfalen besonders in Hinblick auf die Neusiedlungen im Ostseeraum waren vom Ende des 19. bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein ein gut bearbeitetes Feld der Wissenschaft. Gerade Historiker erschlossen dieses Feld für ihre Disziplin, manchmal jedoch die wissenschaftliche Distanz vernachlässigend: Beim Lesen mancher Aufsätze, auch die von anerkannten Historikern wie zum Beispiel Fritz Rörigs, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie sich im Rahmen einer völkischen Geschichtsideologie zu sehr in die Nähe des Nationalsozialismus und einer historischen Legitimation der Lebensraumtheorie mit seiner Erweiterung nach Osten hin (in Parallele zu den Siedler aus Holland, dem Rheinland und Westfalen im Ostseeraum) begaben.
Nach der Auflösung Preußens und der Provinz Westfalen und der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen und wahrscheinlich einer gewissen Suche nach Abstand zu den vorher betriebenen Forschungen, vielleicht auch, weil man meinte, das Gebiet ausgedehnt erfaßt zu haben, wurde es in bezug auf Westfalen und auf die Hanse stiller. In jüngerer Zeit jedoch läßt sich ein Aufkommen von einer großen Anzahl von Forschungen und Aufsätzen besonders über die kleineren Städte Westfalens und des Münsterlandes feststellen. Der Grund ist im Auftreten von Stadtgründungsjubiläen zu finden. Städte wie Ahlen (1974), Münster (1993), Coesfeld (1997), Telgte (1999) und Warendorf (2000) brachten zu ihren Geburtstagen jeweils die Dokumentation ihrer Stadtgeschichte und ihrer Quellen heraus. Diese Tatsache und das Institut für vergleichende Stadtgeschichte an der Westfälschen-Wilhelms-Universität in Münster erleichterten dem Autor ganz erheblich die Arbeit.