
[kryptografie und datenschutz im internet]
Ganz allgemein, ist die Verschlüsselung
von Nachrichten zwischen zwei Kommunikationspartnern die Veränderung
des Inhaltes, so dass nur diese beiden den Inhalt verstehen können.
Die Zeichensprache von Kindern ist im Prinzip bereits eine Verschlüsselung.
Eine fremde Sprache kann auch nicht entschlüsselbar sein. (Die USA
setzten im 2. Weltkrieg Indianer im Funkverkehr ein, die einen sehr seltenen
Dialekt sprachen. So konnten nur sehr wenige etwas mit den Funksprüchen
anfangen.) Wenn ich einem guten Bekannten einen Brief schreibe, benutze
ich bestimmte Wörter und Ausdrücke, die nur wir verstehen. Auch
wenn andere die Wörter lesen können, sie verstehen den Sinn nicht,
oder anders. Im Grunde ist unser Alltag bestimmt von Verschlüsselungen
jeder Art. Wenn ich jemandem eine schriftliche Nachricht zukommen lassen
möchte, überlege ich mir natürlich auch, ob ich dies per
Postkarte oder per Brief schicke. Bei der Postkarte rechne ich damit, daß
viele andere Menschen sie lesen können, beim Brief mit Umschlag will
ich das verhindern.
Warum eine Nachricht verschlüsseln? Das technische Verschlüsseln wurde
in der Vergangenheit hauptsächlich auf zwei Ebenen betrieben: auf
staatlich-militärischer und auf wirtschaftlicher Ebene. Für diese beiden Bereiche
war es wichtig, daß sie Informationen austauschen konnten, die kein Dritter
verstehen konnte. Krieg und (Wirtschafts-) Spionage sind wohl die klassischen
Beispiele für Verschlüsselungsbedürfnisse. Die Wirtschaft
hat nach wie vor das lebenswichtige Bedürfnis zu verschlüsseln.
Wirtschaftsspionage und Vertrauensschutz sind wohl die wichtigsten Antriebe
für die Wirtschaft, auch weiterhin ihre Daten schützen zu können
und zu verschlüsseln. Deswegen mißtrauen sie jegllicher Regulierungdurch welche Behörde auch immer, denn dies bedeutet immer auch ein
potentielles Risiko, angegriffen und gehackt zu werden. Für den elektronischen
Geldtransfer bedeutet eine Regulierung ein Freigeben von Angriffsfläche.
Das wohl bekannteste Kryptografieprogramm im Internet ist das von Phil Zimmermann entwickelte PGP (Pretty Good Privacy). Von diesem Programm wurden inzwischen sehr viele Plug-Ins entwickelt, so daß es heutzutage mit einem Mailprogramm wie Eudora weniger Mausklicke bedarf, um seine email zu verschlüsseln. Das Prinzip ist folgendes: es gibt zwei Schlüssel, einen öffentlichen [public key] und einen privaten [secret key]. Ich generiere auf meinem Computer mit dem Programm diese Schlüsselpaar. (Über die Funktionsweise des Verschlüssselungsalgoritmus gibt es sehr gute Seite von Ulf Möller!) Den Public Key verteile ich nun via e-mail z.B. in die gesamte Welt (zumindest schicke ich ihn an diejenigen, die mit mir kommunizieren wollen!). Es gibt zu diesem Zweck auch sog. Key-Server, die einfach ein große Sammlung von öffentlichen Schlüsseln sind, die an einem Schlüsselbund zusammenhängen. Der Secret Key ist einmalig, und sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Zuätzlich wird der Sekret Key durch ein sog. Mantra, einem Passwort-Satz geschützt. Nun kann jemand mit meinem öffentlichen Schlüssel eine Mail an mich mit PGP verschlüsseln und mir zuschicken. Durch das gesamte Internet laufen jetzt nur noch undefinierbare Zeichen. Die Mail kommt bei mir an, und ich muß jetzt meinen Secret Key benutzen, um die Mail wieder zu entschlüsseln. Die Entschlüsselung kann (fast) nur mit dem Sekret Key erfolgen. Umgekehrt kann ich eine Mail mit meinem Sekret Key verschlüsseln, und alle anderen können sie mit meinem Public Key entschlüsseln. Damit ist die Mail signiert, und der Absender der Mail eindeutig festzustellen. Jeder weiß, daß sie von mir kommt, und nicht etwa jemand in meinem Namen den Brief verschickt hat. Die andere Möglichkeit, einen Brief nicht öffentlich einsehbar zu machen, ist die Steganografie. Hier wird eine Datei in einer anderen versteckt. Ich kann eine Textdatei z.B. in einem Bild so verstecken, daß dies mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Diese Bilder können einfach verschickt werden, jemand muß wissen, daß hinter dem Bild sich eine zweite Datei versteckt. Weiß er dieses, so kann er mit einem Passwort diese wieder herausholen. Sehr einfach zum Steganografieren ist z.B. das Programm Steganos for Windows95, mit dem auch innerhalb weniger Denkanstrengungen das gewollte Ergebnis erreicht. In der c't vom August 1997 ist ein guter Artikel über Steganografie zu lesen. Aber neben Emailverschlüsselung sollte man auch an seinen anderen Verkehr denken (Nie ohne!), z.B. das Einloggen auf fremde Rechner über telnet oder auch das Surfen im Netz. Um einen sicheren Datenaustausch im HTTP-Protokoll zu haben wurde es zu einem HTTPS-Protokoll weiterentwickelt. Der Browser und der Server kommunizieren über einen Secure-Socket-Layer (SSL) miteinander. Gerade für den Nutzer ist des Sichten von geschützen Seiten mit nur einem unwesentlichen Mehraufwand verbunden. Zum Einloggen auf anderen Rechenern gibt es z.B. das Secure-Shell-Programm (SSH). Die Benutzung dessen ist zwar etwas aufwendiger, aber auch im vertretbaren Rahmen gehalten.
Welche grundsätzliche Problematik besteht? Die Diskussion um die Verschlüsselung von E-Mails berührt letzen Endes die Diskussion über das Verhältnis von Individuum und Staat. Es ist in den letzten Monaten (seit dem Frühjahr 1997) erneut die Diskussion über die Reglementierung des Internets und speziell der Kryptografie durch den Staat aufgekommen. Bundesinnenminister Kanther bevorzugt z.B. das key escrow System. Dabei muß für jede Verschlüsselung ein Generalschlüssel bei einer staatlichen Behörde abgegeben werden. Für den Fall, wo diese Stelle Einblick in die Daten haben möchte, kann sie dies tun. Die genaue Form dieses Systems ist nicht zu Ende gedacht bzw. diskutiert. Das Problem besteht in der Frage: warum sollte der Staat sich in die Freiheit des Einzelnen derart einmischen? Die Einmischung schon nur aus technischen Gründen abzulehnen, greift meiner Meinung nach zu kurz. Sicherlich ist es lächerlich, wenn der Staat meint, er würde durch so eine Reglementierung etwas bewirken. Dies wird auch von den allerwenigsten ernsthaft behauptet ("Man könnte sich kaputtlachen, wenn man nicht wüßte, daß es tatsächlich so gemeint ist" (Burkhard Hirsch, Bundestagsvizepräsident, Leserbrief zum Kryptografieverbot, SPIEGEL 14/97). ) Ein Verbot für den Normalbenutzer wird einen 'Verbrecher' nicht davon abhalten, dies trotzdem zu tun (im Zweifelsfall per Steganografie), für die 'mündigen BürgerInnen ' bedeutet dies aber zweifelsohne einen großen Einschnitt in ihre persönlichen Freiheiten. Aber schaut man sich das Internet an, fällt einem sofort auf, daß es nicht im nationalen Raum funktioniert, sondern eben 'global' ist. Das macht schon jede Überlegung über eine Reglementierung des Internet durch nationale Behörden bedenklich. Nimmt man nun aber an, es würde eine technisch funktionierende, 'globale' Behörde geben. Ich würde nach wie vor gegen eine Reglementierung sein. Denn sie verlagert die Verantwortung eines einzelnen Menschen im Internet auf eine zentrale Behörde. Dies ist der Natur des Internets als ein dezentrales Netz von selbstständigen Menschen an Computern genuin gegenläufig (und der Natur des Menschen hoffentlich auch!). Im Internet herrscht ein sozusagen organischer, selbstreinigender Geist (zumindest sollten wir ihn fördern). Das Zusammenwirken von Individuen trägt zur Stärke des Netzes bei. Durch eine zentrale Behörde würde dieses schnell hinterfragt werden, und würde anderen zentralen Regelstellen die Tür öffnen. Das zweite Problem ist die Einschränkung meiner kommunikativen Selbstbestimmung. Ich werde vom Staat gezwungen, auf die Freiheit der Wahl meiner Sprachform zu verzichten. Der Staat zwingt mich, auf seine Weise zu sprechen. Werde ich bald auch auf seine Weise denken müssen?
Wie sieht die rechtliche
Situation aus? Mit Bekanntwerden des Echelon-Systems und den Verhandlungen über ENFOPOL wird die Benutzung von Verschlüsselungstechnologie unabdingbar. (Der untenstehende Text ist 1997 entstanden. Ich werde bald versuchen, ihn up-to-date zu bringen.)
Die Situation in Deutschland Die Situation in anderen EU-Staaten In den USA unterliegt die Kryptografie
strengen Exportbeschränkungen. Sie gilt als Militärgut, ist aber
in den Staaten selbst frei zu benutzen. Es gibt in den Staaten eine starke
Civil Rights Bewegung, die sich auch im Internet für ihre Rechte einsetzt
(vrgl. auch Urteil des Supreme Court gegen ein Clinton Gesetz zur Regulierung
des Internets).
Eine kleine Linksammlung zum Thema Kryptografie und Datenschutz ...
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