Übergänge



Einleitung

Das Thema der Hausarbeit sind die assimillierten, teilweise akkulturierten und meistens sekularisierten jüdische Intellektuelle in der Weimarer Republik. Das ist eine sehr große und vor allem heterogenen Gruppe. Der Grad ihrer Akkulturation unterschied sie ebenso wie ihre politische und kulturelle Ausrichtung. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist, daß sie alle früher oder später Deutschland verlassen mussten oder in KZs umkamen, wenn sie nicht bereits vorher Selbstmord begingen. Manche von ihnen, die sich teilweise hatten taufen lassen oder für die ihre Religion und ihr Jüdischsein keine Rolle spielte, wurden von ihrer Umwelt in das Judesein gepresst. Für sie gilt, was Jean-Paul Sartre sagt: ,,Somit befindet sich der Jude in der Situation des Juden, weil er inmitten einer Gesellschaft lebt, die ihn als Juden betrachtet.``Zitiert in: Hepp, Michael (Hrsg.). Kurt Tucholsky und das Judentum, Oldenburg 1996, S. 9. Andere wiederum, wie zum Beispiel Else Lasker-Schüler oder Arnold Zweig und viele andere mehr, hatten sich bereits vorher zu einer eigenständigen jüdischen Kultur innerhalb und außerhalb der deutsche Kultur bekannt und sie betont.

Hier kommen wir vorab bereits zu dem ersten großen Problem bei der Behandlung dieses Themas: Ist es angemessen, diejenigen, die sich nicht explizit zum Judentum bekannt haben, im nachhinein zu der Kategorie «Jude» zu zählen? Ernst Bloch kritisiert eben diese Haltung später: ,,Daß Reinhardt oder S. Fischer oder auch Bruno Walter und Otto Klemperer oder Joseph Kainz Juden waren, Piscator oder Rowohlt oder Furtwängler oder Bassermann keine, das interessierte, außer in schmutzigen Winkeln oder sinistren Organen, überhaupt niemand, die meisten wußten gar nichts davon.``Zitiert in: Meyer, Michael A. (Hrsg.). Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd. 4, München: Beck 1997, S. 188.

Da sie aber alle von Antisemitismus und Rassenhass betroffen waren1, kann man sie zwar nicht als einheitliche Kategorie, aber als ein Oberthema behandeln. Es wird ein Ergebnis der Hausarbeit sein, zu zeigen, ob dies historisch fruchtbar ist oder ein komplett falscher Ansatz.



 

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