Repräsentation und politischer Wille unter Augustus am Beispiel des Marsfeldes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Einleitung
2.1. Rom im letzten Jahrhundert vor Christus - eine kurze Beschreibung
2.2. Pompeijus - Cäsar - die Republik unter Octavian
2.3. Die Baupolitik unter Augustus
3. Das Marsfeld
3.1. Das Mausoleum
3.2. Die Sonnenuhr
3.3. Der Friedensaltar
4. Zusammenfassung: Machtvorstellung und -ausdruck in den Bauten Roms
Literaturhinweise

 

 

 

1. Einleitung

Die Architektur der Römer hat in den letzten 2000 Jahre viele Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Stadt Rom und ihren eroberten Gebieten. Während die Bezeichnung romanisch für einen Stil der Architektur des Mittelalters noch von eher unbedarftem Wissen über die römische Kunst zeugt, so sind die Auseinandersetzungen der Renaissance und der frühen Neuzeit mit den römischen Hinterlassenschaften schon viel reflektierter und genauer. Während des neunzehnten Jahrhunderts begann sich die akademische Archäologie wieder den in der Zwischenzeit vergessenen Bauten zu widmen. Im zwanzigsten Jahrhundert entdeckte die italienische Politik ihr Interesse an den Resten der römischen Geschichte. Zur Stärkung der eigenen Position und Beliebtheit ließ Mussolini nach den Resten des alten Rom suchen und ausstellen. Als Legitimationsversuche sind die Verweise Mussolinis auf Augustus zu verstehen. Die alte Größe Roms sollte wieder auferstehen durch die Beachtung der neuen mores maiorum, der faschistischen Gesellschaftsform. Die pax Mussolina sollte ebenso im Stadtbild Ausdruck finden wie die pax Augusta im antiken Rom. Was machte Augustus für Mussolini neben der politschen Konzeption noch interessant? Nahm sich der Duce auch in der Kulturpolitik den Princeps zum Vorbild? Dieser hatte es wie kein anderer vor ihm verstanden, seine Machtposition nicht nur durch Brot und Spiele, sondern auch durch eine klares Programm der Stadtentwicklung zu festigen. Erst im Rom der Siebziger Jahre vor Christus fingen die Herren an, sich selbst in Bauten zu repräsentieren. Augustus treibt die Selbstdarstellung und die Umfunktionalisierung des Stadtraumes zu seinem persönlichen Vorteil auf die Spitze. Im politischen Programm seiner Bauten konnte der damalige Römer jederzeit nachlesen, in welchen Zuständen er lebte, und vor allem, wem er dies zu verdanken habe. Sicher wünschte sich der Duce keine geringere Position als die eines Princeps. 1938 wurden die Ergebnisse der Grabungen in einer großen Ausstellung präsentiert. Unter den Stücken befand sich auch die ara pacis Augustae (inzwischen gilt sie sicher als das Original!). Der Friedensaltar war Teil eines Komplexes bestehend aus Altar, Sonnenuhr und Mausoleum auf dem Marsfeld, und soll in dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit erhalten.

2.1. Rom im letzten vorchristlichen Jahrhundert: eine kurze Beschreibung

Die Stadt Rom bot im letzten vorchristlichen Jahrhundert ein zerrütetes Bild: es war geprägt von verkommenen Strassenschluchten mit zerfallenen Mietskasernen und aufwendigen, luxuriösen Privathäusern. Im Vergleich zu anderen großen Städten wie Alexandria oder Athen bot Rom ein kümmerliches Bild. Es war nicht geprägt von einer einheitlichen Stadtkonzeption mit Achsenpunkten wie einem Theater oder einem Tempel, sondern war eine ungeordnete und immer größer werdende Siedlung. Brände und verfallende Infrastruktur, Mietwucher und Selbstverherrlichung machten das Leben in Rom schwer zu ertragen. Es muß ein Spiegelbild der Bürgerkriegsgesellschaft gewesen sein. Die Stadt spiegelte die gleichen Spaltungen und Konflikte in ihrem Stadtbild wieder, die auch ihre Bevölkerung im Bürgerkrieg zu ertragen hatte (vrgl. Zanker 1987, S.28ff).
Eigentlich oblag es den Ädilen die Stadtstruktur zu erhalten, doch wurde diese Aufgabe immer mehr vernachlässigt. Mit den neuen Eroberungen wuchs auch der Reichtum und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung der Kriegsherren. Öffentliche, persönliche Selbstdarstellung waren in der Republik zwar genausowenig erwünscht wie der öffentliche Müßiggang in Theatern oder bei öffentlichen Diskussionen, aber auf eigenem Boden konnten sich die Kriegsherren prächtige Villen errichten. Das Bild der Stadt mußte ihre Bewohner immer wieder aufs neue verunsichern. Die Auflösung des Reiches im Bürgerkrieg erlebte der Römer in seiner Stadt durch die verkommenen Mietskasernen und unzureichenden Infrastruktur gegenüber luxuriösen Stadthäusern weniger reicher Männer.

2.2. Die Baupolitik Cäsars und Pompejus'

Hatte die Republik noch jeden öffentlichen Freizeitbau aus moralischen und politischen Gründen abgelehnt, so war es Pompejus, der sich selbst zu Ehren ein solches Baudenkmal setzte: Auf dem Marsfeld, außerhalb des Pomerium Roms, des heiligen Stadtbezirkes, ließ er das erste große, öffentliche Theater errichten. Obwohl es seinem persönlichen Ansehen diente, ließ er dieses als Substruktion für einen der Siegesgöttin Venus Victrix geweihten Tempel erbauen. Er traute sich nicht, die Selbstverherrlichung als solche zu betreiben, sondern es bedurfte noch einer Votivgabe dazu. Er baute es außerhalb des Stadtbezirkes, um die Stadt Rom nicht allzu herauszufordern. Julius Cäsar betrieb diese Selbstdarstellung noch weiter: die demagogische Wirkung des pompeijischen Theaters fürchtend mußte er diesen noch übertreffen (vrgl. Gros 1988, S.48-68).Cäsar griff radikal in das Stadtbild der Stadt Rom ein. Er baute einen seiner Schutzgöttin, der Venus Genetrix geweihten Tempel auf einem seinem Geschlecht geweihten Forum, dem Forum Iulium auf. Er kümmerte sich wenig um die bis dahin bestehenden Ordnungen, und ließ mitten in der Stadt ein großes Areal abreißen um ihm persönlich zu huldigen. Durch die Aneignung der trojanischen Göttin Venus als seine Stammesgöttin betrieb er unverhohlen die Propaganda seines eigenen Gottesmenschentum. Cäsar hatte noch weiteres im Sinne, er entwarf eine völlige Umgestaltung des römischen Stadtbildes nach hellenistischem Muster. Er wollte ein ganz neue Stadt aufbauen, ein Theater am Capitol errichten lassen, die Straßen rechtwinklig einsetzen und den Tiber umleiten (vrgl. ebd., S.55f). Weiterhin begann Cäsar sich um die bis dahin völlig vernachlässigte Infrastruktur der Stadt zu kümern. Durch seinen Tod blieben diese Vorstellungen eine Idee, die Augustus z.T. übernehmen sollte.

2.3. Die Baupolitik unter Augustus

Octavian übernahm nicht nur Cäsars Namen und Klientel, sondern auch seine Ideen. Hatte Cäsar von einer völligen Umgestaltung der Stadt gesprochen, so wollte Octavian so weit nicht gehen. Er wollte nicht an den Grundfesten der republikanischen Stadt Rom rütteln, sondern diese wiederherstellen und festigen. Anfangs dienten der Ausbau von Tempeln und die Wiedererichtung von verfallenen Gebäuden dem Ansehen der Spender. So versuchten Antonius und Octavian, sich gegenseitig durch Bauten zu übertrumpfen, um die Gunst der Stadtbevölkerung zu gewinnen (vrgl. Kienast 1982, S. 338ff). Nachdem sich Octavian gegen Antonius durchsetzen konnte, und den großen Frieden für das Reich verkündete, wollte er dies auch im Stadtbild Roms verbildlichen. Er forderte die Großen Roms auf, die zerfallenen Tempel zu erneuern. Die Bautätigkeit erstreckte sich nicht nur auf Rom, sondern auf das gesamte Reichsgebiet (vrgl. ebd., S.343ff.). Vor allem sein Freund Agrippa veranlasste die größten Erneuerungen. Agrippa ließ die Kloaken erneuern, und baute einen Aquädukt für die Sicherstellung der Wasserversorgung der Stadt. Während sich Agrippa eher den Profanbauten zuwandte, kümmerte sich Octavian um die Sakralbauten. Augustus schreibt in seinen res gestae er habe vom Senat 28. v.Chr. den Auftrag erhalten, 82 Tempel zu erneuern. Damit verbunden war auch eine Erneuerung von alten römischen Kulten bzw. ein Einführung von neuen, angeblich alten Kulten. Er konzentrierte sich darauf, sein Image der pietas durch den Bau von Tempeln zu festigen, wie z.B. der neue Staatstempel für Apollon. Aber wie auch Julius Caesar baute sich Augustus ein eigenes Forum, das Forum Augustum. Es wird gesagt, Augustus habe eine Stadt aus Stein vorgefunden und eine Stadt aus Marmor hinterlassen (nach Sueton, Aug 28). Er muß das Stadtbild völlig erneuert haben, und die Lebensqualität der Bevölkerung um ein Vielfaches erhöht haben. Die Römer konnten die neue Ordnung des Reiches unter Augustus und den überall herrschenden Frieden jetzt erleben. Seine Wohltaten für das römische Volk sicherten Augustus ein wesentliche Unterstützung, im Zweifelsfall auch gegen den Senat (vrgl. Hesberg 1988, S.93-115; vrgl. auch Zanker 1986, S.157ff. das Kapitel "Stadtbild und Ideologie").

Abbildung 1
Kunstwerke schmücken alle Wege, die Gärten grünen und blühen zu allen Jahreszeiten, und der Kranz der Hügel, die sich bis zum Tiber hinziehen, schafft eine einzigartige Stadtlandschaft, so daß sich das Auge an dem Bild nicht satt sehen kann. (Strabo V 3,8)

3. Das Marsfeld

Das Marsfeld war außerhalb des Pomeriums im Norden der Stadt gelegen und dem Gott Mars geweiht. Es lag zu Füßen des Kapitols und diente den Römern als Parade- und Kriegsübungsstätte. Aus einem öden Landstrich entwickelte es sich bis zum Ende der Regierungszeit des Augustus zu einem der schönsten Stadtbereiche Roms. Bereits vor Augustus hatten Männer damit angefangen, dort Bauten zu errichten. Pompeijus baute sein Theater, Taurus und Balbus errichten zwei weitere, Agrippa eröffnete öffentliche Bäder. Die Saepta Julia, die als Versammlungs- und Abstimmungshalle diente und das ebenfalls von Agrippa erbaute Pantheon wurden auf dem Marsfeld eröffnet. Da der Platz in der Stadt selber begrenzt, Enteignungen unbeliebt und der Bau von Vergnügungseinrichtungen und Orten der Selbstdarstellung nicht den Regeln entsprach, konkurrierten die großen Männer auf dem Marsfeld um ihr Ansehen, in solo privato. Für Octavians Selbstdarstellung war es der geeignete Platz. Im Norden des Marsfeldes, am Eingang der Stadt an der Via Flaminia, läßt Augustus einen Komplex aus Mausoleum, Sonnenuhr und Friedensaltar errichten. Jeder aus Norden kommende Gast der Stadt Rom wurde als erstes mit diesem Komplex konfrontiert, es war also ein durchaus strategischer Punkt.

Abbildung 2

3.1. Das Mausoleum - tumulus Iuliorum

Der älteste Teil des Komplexes auf dem Marsfeld, unabhängig von den anderen beiden erbaut, ist das Grabmal des Augustus. Es ist ein Tumulusbau (zum Tumulusbau in der römischen Geschichte (vrgl. Hesberg 19, S.94ff), wurde aber in Anlehnung an das Grabmal des Mausollos in Halikarnass bereits zu Lebzeiten Augustus' Mausoleum genannt (zur Typologie vrgl. Reeder 1992, S.265-307). Das Grab Augustus übertrifft das zu damaliger Zeit größte bekannte Grab des Mausollos, das zu den sieben Weltwundern der Antike zählte, noch an Ausmaßen: Der monumentale Rundbau war etwa 90 Meter breit und über 40 Meter hoch, einige Meter größer als das Vorbild. Der Bau ist wahrscheinlich 28. v.Chr. fertiggestellt worden, der Baubeginn entsprechend früher (zur Bestimmung des Baubeginns bzw. der Fertigstellung vrgl. Kraft 1967, S.192ff). Vermutlich faßte und veröffentlichte Augustus den Entschluß zum Grabbau noch vor der Schlacht von Actium. Das Rundgrab war in drei Ebenen zu unterteilen. Ein sehr großer Unterbau aus Tavertinblöcken, die nach außen mit Marmor verkleidet waren, wurde von einer Erdaufschüttung mit Bäumen oder Büschen bedeckt. Auf diesem Unterbau stand wiederum der eigentliche Sockel für den Tumulus, ein Tambour von etwa 30 Metern Durchmesser. Der Tumulus selber war in seinen Ausmaßen einem für damalige Verhältnisse üblichen Tumulusgrab eines Senators vergleichbar. Die Erdaufschüttung war geschmückt mit Statuen und Beutewaffen. Den ungewöhnlichen Abschluß bildete eine Monumentalstatue des Princeps (Hesberg 1988, S.100). Der Eingang des Mausoleums war flankiert von zwei Obelisken und zwei Lorbeerbäumen. Über dem Eingang war ein Ehrenschild angebracht (Rekonstruktionsversuche von Gatti 1989, S.25ff.). Schild und Lorbeer waren die beiden Ehrensignien, mit denen der Senat Augustus 27 v.Chr. bedachte. Die Obelisken waren, wie auch der der Sonnenuhr, dem Sonnengott Apollo geweiht. Augustus hatte noch vor Actium damit begonnen, sich mit Apollo identifizieren zu lassen. Die Gärten auf dem Unterbau sollten an ein weiteres Weltwunder erinnern: an die Gärten der Semiramis in Babylon (Hesberg 1988, S.248). Das Grabmal will sich mit Verweisen auf die Weltwunder in die Reihe der großen Bauten der Antike einfügen. Der Tumulusbau war das typische Grab eines antiken Helden (ebd.). Der Tumulus war als Grabform für Senatoren üblich gewesen. Ungewöhnlich ist der sehr große Unterbau, der das Grabmal über alles andere hinweghebt. Ungewöhnlich war auch, daß das Grab von einer Monumentalstatue des Augustus bekrönt war. Man kann den Tumulusbau auch als Substruktion für die kolossale Statue verstehen. Die genaue Größe ist nicht bekannt, es gibt aber vergleichbar Statuen von Augustus, bei denen allein der Kopf schon 1,50m groß ist. Mit dem ihn umgebenden Hain, der der Bevölkerung offen stand zu Erholung, stach das Grab aus seiner Umgebung hervor. Es war landschaftsbeherrschend. Vor dem Grab waren nach Augustus Tod seine res gestae angebracht. Augustus Ruhm für die Entwicklung der Stadt Rom sollte auch nach seinem Tod weiterhin sichtbar und nachlesbar bleiben, und die Legitimität seiner Nachfolger sichern.Grund des Baues könnte politische Strategie gewesen sein: Nach der indiskreten Veröffentlichung des Testamentes des Antonius, in dem dieser die Bestattung seines Körpers in Ägypten neben dem der Kleopatra verfügt, ist die römische Stadtbevölkerung erbost, und erklärt ihn zum Staatsfeind. Indem Octavian nun ein monumentales Grabmal in Rom für sich und seine Familie errichtet, bekundet er der Stadt Rom seine ewige Treue, bis über den Tod hinaus. Es diente als Kontrapunkt zu den großen Grabbauten im Osten des Reiches, zu den Pyramiden in Alexandria und dem Mausoleum in Halikarnass. Der Führungsanspruch Roms im Reich sollte sich in der Architektur verkörpern. Es ist ein Zeichen der Propaganda gegen Alexandria, das Antonius zur Hauptstadt eines geteilten Reiches machen wollte.
Die Treue zur Stadt Rom zeigt sich auch in der Typologie des Tumulus im altitalischen Stil. Das Mausoleum ist ein Sinnbild der Situation des Jahres 27 v.Chr., als Augustus pro Forma die Republik wieder herstellt: das äußere Erscheinungsbild entspricht der römischen Tradition, das "architektonische Gesamtkonzept des Marsfeldes geht auf hellenistische und insbesondere alexandrinische Vorbilder zurück" (zitiert aus Coarelli 1988, S.74). Als Prototyp wird in der Literatur das Grab Alexanders angegeben, das Octavian 30 v. Chr. beim Einmarsch in Alexandria als erstes besuchte (Reeder, S.274f.). Alexander dürfte wohl auch Augustus als Vorbild gedient haben.
In der Forschung ist umstritten, ob Augustus sich mit diesem Bau bereits ein dynastisches Monument setzen wollte (vrgl. Kraft, S.193ff.). Überzeugend ist jedoch, daß er dies nicht gewollt habe, weil es kontraproduktiv zu seiner Politik der, zumindest pro Forma Wiederherstellung der Republik gewesen wäre. Der Zeitpunkt wäre verfrüht und taktisch ungeschickt gewesen . Es fehlen auch die Verweise auf Cäsar, dem ersten des julischen Herrschergeschlechts. Die Frage, ob dies der Anfang einer Dynastie sei oder nicht, dürfte Augustus zu diesem Zeitpunkt auch nicht so stark interessiert haben, hatte er keinen Sohn und auch keine Pläne, einen zu adoptieren (vrgl Kraft, S.195). Einleuchtend ist vielmehr, daß das Mausoleum und der ihn umgebende Hain im Laufe der Zeit eine Umfunktionalisierung in Richtung einer dynastischen Stätte erhielt: Inschriften wurden dem Bau zugefügt, Statuen der Mitglieder der kaiserlichen Familie im Park aufgestellt, und auch der Aufbau der res gestae läßt sich als Legitimation auch für künftige Herrscher der augusteischen Familie lesen. "Mit der Etablierung der Macht veränderte der Bau seine Aussage" (Hesberg 1988, S.248), wie Augustus nach Actium bemüht war, sich ein neues Image aufzubauen. Der erste im Mausoleum bestattete Körper war der seines Neffen Marcellus 23 v.Chr., es folgen weitere des julisch-claudischen Hauses, wie z.B. der der Älteren Agrippina. Seiner Tochter Julia und ihrer Tochter Julia, die er aus Rom verbannt hatte, verweigerte er diese Ehre jedoch.

Abbildung 3

3.2. Die Sonnenuhr - horologium solarium Augusti

Dem Sonnengott als Weihgeschenk, nachdem Ägypten der Herrschaft des römischen Volkes zurückgegeben war." (Inschrift des Obelisken)
9 v.Chr. aufgestellt, stammt der Obelisk aus Heliopolis ['Stadt des Sonnengottes'] in Ägypten. Er diente der Sonnenuhr als Zeiger, als Gnomon. Der Obelisk war gekrönt von einer vergoldeten Bronzekugel. Der eigentliche Obelisk stand auf Füßen auf einem Sockel. Die Gesamthöhe des Gnomons betrug etwa 100 römische Fuß (~30m) (Buchner 1988, S.240). Die Inschrift läßt klar erkennen, worum es beim Obelisken geht: Es ist ein Zeichen des Sieges über Ägypten, und stellt eine Allusion von Augustus auf den Sonnengott Sol/Apollo her. Dem besonderen Schützling Apollons, Augustus, ist es gelungen, die Stellung Roms gegenüber Ägypten zu behaupten. Die vergoldete Bronzekugel auf dem Pyramidion ist das kosmische Zeichen des Sonnengottes. Es verweist auf die günstigen Gestirne für den Apolloschützling und bindet, als Abschluß des Zeigers, den Obelisken in die Sonnenuhr ein.
Das 'Zifferblatt' der Sonnenuhr war ein etwa 150 Meter breiter Schmetterling aus Bronzebahnen, die in den Tavertinboden eingelassen worden waren. Konzentrische Kreise um den Obelisken bildeten die Bahnen der Planeten der sieben Götter der Wochentage nach. Auf ihnen zeigte die Sonne nicht nur die Stunden des Tages an, sondern auch die Tage des Monates und die Monate des Jahres. Es war eine Uhr und ein Kalender. Die Monate waren durch die entsprechenden Tierkreiszeichen in griechischer Sprache und Schrift dargestellt. Zusätzlich waren der Sommerbeginn (am 9. Mai!) und Bemerkungen über Wetterbedingungen (z.B. 23. August 'die Etesien hören auf') zu lesen. Umgeben waren die Kreise von Mosaiken mit Darstellungen der vier Himmelsrichtungen. Die Bemerkung über die Etesien und die griechische Schrift und Sprache lassen auf die Hersteller der Sonnenuhr schließen. Es wird vermutet, daß sie aus dem ostägäischen oder ägyptischen Raum (wahrscheinlich Alexandria) stammen (Zanker, S.151 meint nicht, daraus auf griechische Ursprünge schließen zu können, sondern deutet dies als ein "weltläufiges" Zeichen für die Besucher Roms).
Die wichtigste Linie ist die Herbstäquinoktienlinie (Tag- und Nachtgleiche im Herbst). Sie führt an diesem Tag (23. September), dem Geburtstag des Augustus, auf die ara pacis hin. Augustus soll kurz vor Sonnenaufgang geboren worden sein, mit ihm beginnt ein neuer Tag des Friedens. Augustus ist natus ad pacem. Dies gibt der gesamten Anlage, die auf diesen einen Tag ausgericht war, eine politische Bedeutung: Augustus ist zum Frieden geboren, der Tag seiner Geburt führt auf den Friedensaltar hin. "Augustus ist der Friedensstifter" heißt das politische Programm der Sonnenuhr (vrgl. Simon 1986, S.26-30). Es ist Ausdruck des Glaubens Augustus an das Schicksal und der Auserwähltheit seiner Person durch die besondere Konstellation der Gestirne. Dies ließ sich propagandistisch hervorragend benutzen. Augustus war der von den Gestirnen, also den Göttern auserwählte Staatsmann. Damit paßt sich die Anlage von horologium und ara pacis in das von Augustus entworfene Konzept der aurea aetas, des goldenen Zeitalters (vrgl. Zanker, S.171).

Abbildung 4

3.3. Der Friedensaltar - ara pacis Augusti

13 v. Chr. zum 50. Geburtstag des Augustus vom Senat beschlossen und konzipiert, wurde der Altar 9. v. Chr. zusammen mit dem Obelisken auf dem Marsfeld eingeweiht. Der Altar entspricht in seiner Form und Funktion einem römischen templum, einer Opferstätte, und ist der neuen Gottheit pax Augusta geweiht. Er besteht aus Tuff mit einer Marmorverkleidung und ist mit einer ebenfalls marmornen Umfassungsmauer von seiner Umgebung abgetrennt. Seine Ausmaße entsprechen denen des Zwölfgötteraltares der Athener Agora (Zanker, S.164). Er ist als Ort des Friedens aus dem Feld des Krieges (campus martius, dem Kriegsgott Mars gewidmet, und Ort der Kriegsübung der Römer) herausgenommen. Symbolik dieser Gegebenheit: Mars, der Vater des Stadtgründers gewährt seiner Stadt den Frieden (ebd., S.30). Zusammen mit Äneas erscheint der Gott Mars auf der westlichen, zum Marsfeld gerichteten Seite der Umfassungsmauer.
Der Altarkomplex läßt sich in zwei Bereiche einteilen: Altar mit der Innenseite der Umfassungsmauer und die Außenseite der Umfassungsmauer. Der Innenraum des Baues galt nur den Göttern einzusehen. Die Bevölkerung Roms sah in erster Linie die Außenwand. Mit dieser Funktionsteilung läßt sich die Dekorations des Altars lesen.
Der den Göttern zugedachte Innenraum mit Altar war im alten bäuerlichen Stil, der rusticitas der Väter gehalten. Der Altar bestand aus einem Opfertisch, der von zwei Brüstungen in Form von Anten flankiert war. Das Aussehen des Altarfrieses ist durch den schlechten Erhaltungszustand nicht vollständig gesichert. Es wird angenommen, daß eine Opferprozession mit den Opfertieren dargestellt war. Auf der Innenseite der Anten waren sechs Vestalinnen und ein Priester und ein Flame mit Opfertier dargestellt, auf der Außenseite die Opferprozession mit weiteren Opfertieren. Die Opfertiere waren weiße Kühe, die von einem Widder angeführt wurden. Die weißen Kühe wurden zu Ehren Augustus' und der Widder zu Ehren Janus geopfert. Der Tempel des Janus galt als einer der ältesten der Stadt, und war Sinnbild für den Frieden im Reich: waren beide Tore des Tempels geschlossen, herrschte Frieden im ganzen Erdkreis. Augustus benutze diesen Kult (unsicher ist, ob dies wirklich ein altrömischer Kult war, oder ob Augustus ihn als einen altrömischen Kult neu eingeführt hat.) um seine pax Augusta zu manifestieren in dem er die Tore dreimal schloß. Es darf also ein Verweis auf den Gott Janus nicht fehlen. Auch die Architektur des Altares ist als Allusion auf Janus zu verstehen: wie im Janustempel hat der Altarkomplex zwei Eingänge (Simon, S.31). In der Opferprozession ist eine typische Szene der Funktion des Altares dargestellt. Die Innenseite der Umfassungsmauer ist einheitlich gestaltet. In zwei Teile geteilt, sind auf dem unteren Teil Lisenen in Form eines Zaunes dargestellt. Im oberen Teil sind Girlanden aus Früchten und Blumen zu sehen, die an Bukranien aufgehängt sind. Die Stierschädel verweisen auf die Opfertiere selbst, und die Blumen und Früchte auf die ihnen umgehängten Opfergaben. Getrennt sind oberer und unterer Teil durch ein schmales Paletten- und Lotosblütenfries. Die Wirkung dieser Innemauerdekoration muß sehr schlicht gewesen sein, vielleicht an bäuerliche Tempel erinnernd. Der Lattenzaun, aus angemalten Marmor bestehend, errinert an eine bäuerliche Umgebung, Auch die bunt angemalten Fruchtgirlanden sind ein ländliches Zeichen. Es wird also wieder auf die Zeit der Väter verwiesen, an die Sitte und Religion der Vorfahren, an die Bäuerlichkeit der römischen Gesellschaft, aber umgesetzt in edlem, an griechische Tempel erinnernder Marmor. Die Umfassungsmauer des Altares ist in "alter griechischer Tradition" (Simon, S.35) in der Technik des doppelseitigen Reliefs gebaut. Die Götter sollten durch die scheinbare Bewahrung der alten Sitten in Form von karger Ausstattung getragen von der neuen, augusteischen Ordnung gutmütig gestimmt werden.
Die Außenseite der Umfassungsmauer ist wie die Innenseite durch eine schmales Fries, einem Mäanderband, in einen oberen und einen unteren Abschnitt geteilt. Der untere Teil ist ein organisch mit Arkanthusblättern verzierter Fries, der obere ist der figürliche Teil. Die Wände werden von Lisenen in der Senkrechten untergliedert. Der untere Abschnitt ist die ganze Mauer entlang einheitlich gehalten: aus einem Arkanthusbusch wächst ein Hauptzweig heraus, der bis zum Bildrand reicht, und der das Feld in zwei symmetrische Hälften teilt. Aus dem Busch wachsen vier weitere Zweige, die mit ihren volutenförmigen Auswüchsen das gesamte Bild ausfüllen. Die Voluten enden in Blüten und Kelchen. Auf manchen dieser Kelche sind Schwäne zu sehen. Unterbrochen wird die Einheitlichkeit der Dekoration durch Insekten und andere Tiere. Die Symbolik der vegetativen Struktur, der "paradiesischen Ranken" (Zanker 1988, S.184) ist die Üppigkeit der Natur und die reichen Ernten, die durch den Frieden des Augustus möglich wurden. Augustus fungiert als der Garant der Vesorgung der Stadt Rom mit Getreide. Neben dieser symbolischen Ebene haben die Arkanthusstiele auch eine ordnende Funktion: sie leiten das Lesen des oberen Abeschnittes.
Auf dem oberen Teil der westlichen Mauer, dem Haupteingang des Altares, befinden sich auf der linken Seite die Abbildung von Romulus und Remus, auf der rechten Seite ein opfernder Äneas. Romulus und Remus werden in der Szene dargestellt wie sie von einer Wölfin gesäugt werden. Sie sind begleitet von Mars und dem Hirten Faustulus. Äneas, in eine adelige Toga gehüllt, mit nackter Brust und verdecktem Haupt bringt ein Opfer dar. Seine Kleidung entspricht den alten Sitten, dem ritus romanus (vrgl. Zanker 1988, S.206f.). Die von Vergil bereits beschworene pietas des Äneas wird auf Augustus und Agrippa übertragen: auf der Nord- bzw. Südseite ssind beide ebenfalls mit verdecktem Haupt dargestellt. Begleitet wird Äneas von seinem Sohn Ascanius / Iulus, dem Stammvater der gens Iulia. Das Opfertier ist eine Sau, eine Anspielung auf den Gründungsort Roms im Latium, alba longa ['die weiße Sau']. Es sind auf der wichtigsten Seite der ara pacis, der dem Marsfeld zugewandten Seite, Schlüsselereignisse der römischen Geschichte dargestellt: die Landung des Äneas im Latium und die Säugung von Romulus und Remus durch ein Wölfin, beides die Ausgangspunkte für die Gründung der Stadt Rom. Den beiden Gründervätern Roms, Mars und Äneas stehen Italia und Roma auf der Ostseite gegenüber (vrgl. Simon, S.36; Settis, S.412).
Auf der gegenüberliegenden Seite, der nördlichen Ostseite, sind zwei weibliche Personifikationen dargestellt: rechts die der Göttin Roma, als Kriegerin mit Helm und Panzer auf den Waffen der besiegten Feinde sitzend, und links vermutlich die Personifikation des genius populi und des genius senatus, des römischen Volkes und des römischen Senates. Rechts neben dem östlichen Eingang ist ebenfalls eine weibliche Person dargestellt. Eine mütterliche Gestalt hält zwei Knaben in ihren Armen. Sie ist umgeben von Tieren, einem Rind und einem Schaf, und von Getreideähren und Früchten. Seitlich dieser Mutterfigur, der terra mater oder der Italia befinden sich zwei Gestalten, die eine auf einem fliegenden Schwan sitzend, die andere auf einer Seeschlange reitend. Der Schwan ist sowohl ein Attribut des größten italienischen Flußes, des Eridanus [heute: Po], als auch ein Trabant des Apoll (Simon 1986, S.36). Roma und Italia stellen die vereinte Harmonie Roms mit Italien in der aurea aetas unter Augustus dar. (Zur Ostseite vrgl. auch Settis, S.413f., in dem dieser eine Mischung aus einer personifizierten Italia und terra mater verneint, statt dessen nur für terra mater entscheidet (im Gegensatz zu Simon, S.36). Von Simon und Settis wird die Personifikation als pax Augusta abgelehnt, die Zanker, S.179, vorschlägt.) Die Ost- und Westseite ergänzen sich. Der Betrachter mußte um den Altar herumlaufen, um die Symbolik zu verstehen. Mars im Westen entspricht Roma im Osten, der kriegerische Ethos der römischen virtus umspannt die gesamte römische Geschichte. Ergänzt wird dieses Paar durch Äneas im Westen und der terra mater im Osten. Äneas galt als besonders fromm, er ist dargestellt als opfernder Priester. Frömmigkeit und Fruchtbarkeit sind zwei weitere Bedingungen für den Frieden. Angespielt wird hier auf den frommen Bauern, der den mores maiorum entsprechen soll. Romulus und Remus, von der Wölfin gesäugt, finden ihre Entsprechung in den beiden Knaben, die von der terra mater im Osten gepflegt werden. Zu lesen sollte dies sein als: die plebs romana wird unter der pax Augusta von der terra mater dauerhaft ernährt. Analog zu den beiden Figuren des Senates und des Volkes von Rom im Osten sind im Westen Äneas und sein Sohn Iulus auszumachen. Die Vater-Sohn-Beziehung wird auf die römische Gesellschaft übertragen (vrgl. Settis, S.417).

Abbildung 5

Auf den Nord- und Südseiten, die nicht durch Türen unterbrochen sind, sind Menschen in einer Prozession abgebildet. Die Gestalten, Togati, ziehen allesamt nach Westen, zum Marsfeld bzw. zum Haupteingang hin. Die Gestalten halten sich beim Gehen zum Teil auf, drehen sich um oder blicken den Betrachter an. Geprägt ist der Zug von Feierlichkeit, z.T. halten die Menschen einen Lorbeerzweig, ein weiterer Verweis auf Apoll, in den Händen. Wahrscheinlich handelt es sich bei der abgebildeten Prozession um die Ehrprozession für Augustus' Rückkehr aus dem Westen im Jahre 13 v.Chr. Abgebildet ist die Familie des Augustus, Frauen, Männer und Kinder. Aufgrund der Anordnung der Personen ist ihre Stellung zu Augustus auszumachen. Die genaue Identifizierung der Personen hat sich bis heute hin als sehr schwierig erwiesen, für den damaligen Betrachter dürfte dies allerdings kein Problem gewesen sein. Augustus befindet sich auf der Südseite, der zur Stadt Rom gewandten Seite. Er trägt ein Priestergewand und sein Haupt ist verdeckt. Ihm voraus gehen zwölf lorbeerbekränzte Liktoren, die fasces ohne Beil haltend. Hinter Augustus gingen vier Priester, vier Flamen. Die Nordseite ist etwa gleich aufgebaut: auf der Höhe Augustus' ist Agrippa abgebildet, ebenfalls mit verdecktem Haupt. Ihm voraus gehen ebenfalls Priester. Auf der Umfassungsmauer sind die vier vornehmsten und wichtigsten Priesterkollegien (quattor amplissima collegia) dargestellt: die quindecimviri sacris faciundis, zu denen sowohl Augustus als auch Agripa gehörten, die augures, die pontifices und die septimviri Epulones. Augustus war Mitglied in allen vier Priesterkollegien. Auf dem Altar ist er mit dem Stab des Auguren in der Hand abgebildet. Anscheinend legte Augustus auf dieses Amt besonderen Wert, konnte er seinen Unternehmungen doch immer positive Voraussagen machen. Der pontifex maximus ist nicht abgebildet, da es sich zu der Zeit um Lepidus handelte, der in Verbannung war (Simon 1988, S.36-42). Die Darstellung der Priesterschaften unter Augustus entsprach der Neugestaltung der Staatsreligion durch Augustus. Die Kollegien treten gemeinsam auf, Augustus erscheint als das wichtigste Mtiglied aller. Es spiegelt sich ein Machtverlust der Priesterschaften in der Bildkomposition des Altares wieder (Zanker 1986, S.127). Die meisten der dargestellten Priester haben Idealgesichter, nur wenige tragen charakteristische Züge. Die neue pietas verträgt - neben Augustus - keine Ämterkonkurrenz und Selbstverherrlichung.
Der dargestellte Zug soll die Ehrprozession gelegentlich der Rückkehr des Augustus vom 4. Juli 13 v.Chr. darstellen (Settis 1988, S.418). Wie bereits 19 v.Chr. wird Augustus vom Senat ein Ehraltar angetragen, weil er drei Jahre lang erst den Osten und dann den Westen des Reiches befriedet hat. Dieser pax Augusta ist der Altar geweiht. Zu bemerken ist, daß pax nicht als Figur, wie man es gewohnt war, erscheint. Das Beiwort Augusta ist ihn selber, durch seine Familie (seine potentiellen Nachfolger) und durch die dargestellte Staatsordnung lesbar gewesen. Die pax muß für den damaligen Betrachter sofort verständlich gewesen sein. Durch Weglassen der Personifikation des Friedens ist der Frieden überall. Er zeigt sich in jeder einzelnen Figur, und in den Frieskompositionen. Der Friede ist an Augustus gebunden. Ohne ihn wäre der Frieden in dem Bildprogramm nicht lesbar gewesen, denn es handelt sich um einen Frieden der besonderen Ordnung. Es ist der Frieden, den der römische Staat der Umstrukturierung durch Augustus verdankt. Deshalb kann nur die neue Ordnung den Frieden angemessen darstellen. Es handelt sich hier um eine geschickte Komposition von Symbolen und Geschichte, von Zeigen und Weglassen, um der pax Augusta zu huldigen. Die ara pacis Augusti kann symbolisch für die Machtpolitik Augustus' nach Actium gelesen werden: sie ist vom Senat in Auftrag für Augustus gegeben worden, um weniger der pax als dem Epitheton Augusti Ehre und Anerkennung zu erweisen. In ihrer Bildsprache spiegelt sie den neuen Aufbau der Republik wider, der sich in erster Linie um Augustus und das julisch-claudisch Haus dreht (zur Darstellung der Prinzen auf der Umfassungsmauer vrgl. Zanker, S.218f.). Gefolgt wird die Dynastie von den Hohen Priestern, deren Mitgliedschaft unter Augustus zu den größten möglichen persönlichen Erfolgen gehörte (Settis 1988, S.416ff.).

4. Zusammenfassung

Augustus setzte in seiner Baupolitik die Ideen seiner Herrschaft um. Er setzte sich selbst Ehrendenkmäler, machte sich zum Angelpunkt der Stadtentwicklung, restaurierte die alten Bauten und Kulte, und verband die alten Sitten mit neuen Ideen und Einflüssen. Das in Marmor wieder auferstandene Rom spiegelte die Mischung aus neuer Technik mit altem Anspruch, aus altitalischen Vorstellungen und hellenistischen Ideen. Die augusteische Mischung war im Alltagsbild zu sehen und zu erleben. Er konnte durch seine Politik die Einzelnen zügeln und die Vielen beruhigen. Vor allem aber konnte sich und seiner Familie die Macht sichern. Die Bevölkerung Roms konnte die pax Augusta tagtäglich erleben. Augustus, der ab 18 v.Ch. als Volkstribun regierte, konnte sich durch die Erhöhung der Lebensqualität der Bevölkerung, verbunden mit einem klaren propagandistischen Bildprogramm, sich ihre Untestützung sichern.
Der italienische Duce Mussolini ließ 1937 zum 2000-jährigen Geburtstag des Augustus die ara pacis renovieren und öffentlich ausstellen. Auch wurde das Mausoleum seiner Bestimmung als Grab zurückgegeben, nachdem es zuletzt als Konzertsaal gedient hatte. Augustus diente ihm als Vorbild für seine eigene Position. Wie auf dem Friedensaltar Liktoren mit ihren fasces vor Augustus hergehen, wünschte sich Mussolini in der Wahl der fasces als das Zeichen der neuen Zeit die gleiche Position wie der Princeps. Mussolini hatte die gleiche Umbauten Roms vor wie auch Augustus, doch glücklicherweiser waren ihm keine 50 Jahre Regierungszeit beschieden (vrgl. Scriba 1995).

Literaturhinweise

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