
| 1. Einleitung 2.1. Rom im letzten Jahrhundert vor Christus - eine kurze Beschreibung 2.2. Pompeijus - Cäsar - die Republik unter Octavian 2.3. Die Baupolitik unter Augustus 3. Das Marsfeld 3.1. Das Mausoleum 3.2. Die Sonnenuhr 3.3. Der Friedensaltar 4. Zusammenfassung: Machtvorstellung und -ausdruck in den Bauten Roms Literaturhinweise
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1. EinleitungDie Architektur der Römer hat in den letzten 2000 Jahre viele Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Stadt Rom und ihren eroberten Gebieten. Während die Bezeichnung romanisch für einen Stil der Architektur des Mittelalters noch von eher unbedarftem Wissen über die römische Kunst zeugt, so sind die Auseinandersetzungen der Renaissance und der frühen Neuzeit mit den römischen Hinterlassenschaften schon viel reflektierter und genauer. Während des neunzehnten Jahrhunderts begann sich die akademische Archäologie wieder den in der Zwischenzeit vergessenen Bauten zu widmen. Im zwanzigsten Jahrhundert entdeckte die italienische Politik ihr Interesse an den Resten der römischen Geschichte. Zur Stärkung der eigenen Position und Beliebtheit ließ Mussolini nach den Resten des alten Rom suchen und ausstellen. Als Legitimationsversuche sind die Verweise Mussolinis auf Augustus zu verstehen. Die alte Größe Roms sollte wieder auferstehen durch die Beachtung der neuen mores maiorum, der faschistischen Gesellschaftsform. Die pax Mussolina sollte ebenso im Stadtbild Ausdruck finden wie die pax Augusta im antiken Rom. Was machte Augustus für Mussolini neben der politschen Konzeption noch interessant? Nahm sich der Duce auch in der Kulturpolitik den Princeps zum Vorbild? Dieser hatte es wie kein anderer vor ihm verstanden, seine Machtposition nicht nur durch Brot und Spiele, sondern auch durch eine klares Programm der Stadtentwicklung zu festigen. Erst im Rom der Siebziger Jahre vor Christus fingen die Herren an, sich selbst in Bauten zu repräsentieren. Augustus treibt die Selbstdarstellung und die Umfunktionalisierung des Stadtraumes zu seinem persönlichen Vorteil auf die Spitze. Im politischen Programm seiner Bauten konnte der damalige Römer jederzeit nachlesen, in welchen Zuständen er lebte, und vor allem, wem er dies zu verdanken habe. Sicher wünschte sich der Duce keine geringere Position als die eines Princeps. 1938 wurden die Ergebnisse der Grabungen in einer großen Ausstellung präsentiert. Unter den Stücken befand sich auch die ara pacis Augustae (inzwischen gilt sie sicher als das Original!). Der Friedensaltar war Teil eines Komplexes bestehend aus Altar, Sonnenuhr und Mausoleum auf dem Marsfeld, und soll in dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit erhalten. |
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2.1. Rom im letzten vorchristlichen Jahrhundert: eine kurze BeschreibungDie Stadt Rom bot im letzten vorchristlichen
Jahrhundert ein zerrütetes Bild: es war geprägt von verkommenen
Strassenschluchten mit zerfallenen Mietskasernen und aufwendigen, luxuriösen
Privathäusern. Im Vergleich zu anderen großen Städten wie
Alexandria oder Athen bot Rom ein kümmerliches Bild. Es war nicht
geprägt von einer einheitlichen Stadtkonzeption mit Achsenpunkten
wie einem Theater oder einem Tempel, sondern war eine ungeordnete und immer
größer werdende Siedlung. Brände und verfallende Infrastruktur,
Mietwucher und Selbstverherrlichung machten das Leben in Rom schwer zu
ertragen. Es muß ein Spiegelbild der Bürgerkriegsgesellschaft
gewesen sein. Die Stadt spiegelte die gleichen Spaltungen und Konflikte
in ihrem Stadtbild wieder, die auch ihre Bevölkerung im Bürgerkrieg
zu ertragen hatte (vrgl. Zanker 1987, S.28ff). |
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2.2. Die Baupolitik Cäsars und Pompejus'Hatte die Republik noch jeden öffentlichen Freizeitbau aus moralischen und politischen Gründen abgelehnt, so war es Pompejus, der sich selbst zu Ehren ein solches Baudenkmal setzte: Auf dem Marsfeld, außerhalb des Pomerium Roms, des heiligen Stadtbezirkes, ließ er das erste große, öffentliche Theater errichten. Obwohl es seinem persönlichen Ansehen diente, ließ er dieses als Substruktion für einen der Siegesgöttin Venus Victrix geweihten Tempel erbauen. Er traute sich nicht, die Selbstverherrlichung als solche zu betreiben, sondern es bedurfte noch einer Votivgabe dazu. Er baute es außerhalb des Stadtbezirkes, um die Stadt Rom nicht allzu herauszufordern. Julius Cäsar betrieb diese Selbstdarstellung noch weiter: die demagogische Wirkung des pompeijischen Theaters fürchtend mußte er diesen noch übertreffen (vrgl. Gros 1988, S.48-68).Cäsar griff radikal in das Stadtbild der Stadt Rom ein. Er baute einen seiner Schutzgöttin, der Venus Genetrix geweihten Tempel auf einem seinem Geschlecht geweihten Forum, dem Forum Iulium auf. Er kümmerte sich wenig um die bis dahin bestehenden Ordnungen, und ließ mitten in der Stadt ein großes Areal abreißen um ihm persönlich zu huldigen. Durch die Aneignung der trojanischen Göttin Venus als seine Stammesgöttin betrieb er unverhohlen die Propaganda seines eigenen Gottesmenschentum. Cäsar hatte noch weiteres im Sinne, er entwarf eine völlige Umgestaltung des römischen Stadtbildes nach hellenistischem Muster. Er wollte ein ganz neue Stadt aufbauen, ein Theater am Capitol errichten lassen, die Straßen rechtwinklig einsetzen und den Tiber umleiten (vrgl. ebd., S.55f). Weiterhin begann Cäsar sich um die bis dahin völlig vernachlässigte Infrastruktur der Stadt zu kümern. Durch seinen Tod blieben diese Vorstellungen eine Idee, die Augustus z.T. übernehmen sollte. |
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2.3. Die Baupolitik unter AugustusOctavian übernahm nicht nur Cäsars Namen und Klientel, sondern auch seine Ideen. Hatte Cäsar von einer völligen Umgestaltung der Stadt gesprochen, so wollte Octavian so weit nicht gehen. Er wollte nicht an den Grundfesten der republikanischen Stadt Rom rütteln, sondern diese wiederherstellen und festigen. Anfangs dienten der Ausbau von Tempeln und die Wiedererichtung von verfallenen Gebäuden dem Ansehen der Spender. So versuchten Antonius und Octavian, sich gegenseitig durch Bauten zu übertrumpfen, um die Gunst der Stadtbevölkerung zu gewinnen (vrgl. Kienast 1982, S. 338ff). Nachdem sich Octavian gegen Antonius durchsetzen konnte, und den großen Frieden für das Reich verkündete, wollte er dies auch im Stadtbild Roms verbildlichen. Er forderte die Großen Roms auf, die zerfallenen Tempel zu erneuern. Die Bautätigkeit erstreckte sich nicht nur auf Rom, sondern auf das gesamte Reichsgebiet (vrgl. ebd., S.343ff.). Vor allem sein Freund Agrippa veranlasste die größten Erneuerungen. Agrippa ließ die Kloaken erneuern, und baute einen Aquädukt für die Sicherstellung der Wasserversorgung der Stadt. Während sich Agrippa eher den Profanbauten zuwandte, kümmerte sich Octavian um die Sakralbauten. Augustus schreibt in seinen res gestae er habe vom Senat 28. v.Chr. den Auftrag erhalten, 82 Tempel zu erneuern. Damit verbunden war auch eine Erneuerung von alten römischen Kulten bzw. ein Einführung von neuen, angeblich alten Kulten. Er konzentrierte sich darauf, sein Image der pietas durch den Bau von Tempeln zu festigen, wie z.B. der neue Staatstempel für Apollon. Aber wie auch Julius Caesar baute sich Augustus ein eigenes Forum, das Forum Augustum. Es wird gesagt, Augustus habe eine Stadt aus Stein vorgefunden und eine Stadt aus Marmor hinterlassen (nach Sueton, Aug 28). Er muß das Stadtbild völlig erneuert haben, und die Lebensqualität der Bevölkerung um ein Vielfaches erhöht haben. Die Römer konnten die neue Ordnung des Reiches unter Augustus und den überall herrschenden Frieden jetzt erleben. Seine Wohltaten für das römische Volk sicherten Augustus ein wesentliche Unterstützung, im Zweifelsfall auch gegen den Senat (vrgl. Hesberg 1988, S.93-115; vrgl. auch Zanker 1986, S.157ff. das Kapitel "Stadtbild und Ideologie"). |
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| Abbildung 1 |
3. Das MarsfeldDas Marsfeld war außerhalb des Pomeriums im Norden der Stadt gelegen und dem Gott Mars geweiht. Es lag zu Füßen des Kapitols und diente den Römern als Parade- und Kriegsübungsstätte. Aus einem öden Landstrich entwickelte es sich bis zum Ende der Regierungszeit des Augustus zu einem der schönsten Stadtbereiche Roms. Bereits vor Augustus hatten Männer damit angefangen, dort Bauten zu errichten. Pompeijus baute sein Theater, Taurus und Balbus errichten zwei weitere, Agrippa eröffnete öffentliche Bäder. Die Saepta Julia, die als Versammlungs- und Abstimmungshalle diente und das ebenfalls von Agrippa erbaute Pantheon wurden auf dem Marsfeld eröffnet. Da der Platz in der Stadt selber begrenzt, Enteignungen unbeliebt und der Bau von Vergnügungseinrichtungen und Orten der Selbstdarstellung nicht den Regeln entsprach, konkurrierten die großen Männer auf dem Marsfeld um ihr Ansehen, in solo privato. Für Octavians Selbstdarstellung war es der geeignete Platz. Im Norden des Marsfeldes, am Eingang der Stadt an der Via Flaminia, läßt Augustus einen Komplex aus Mausoleum, Sonnenuhr und Friedensaltar errichten. Jeder aus Norden kommende Gast der Stadt Rom wurde als erstes mit diesem Komplex konfrontiert, es war also ein durchaus strategischer Punkt. |
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3.1. Das Mausoleum - tumulus IuliorumDer älteste Teil des Komplexes
auf dem Marsfeld, unabhängig von den anderen beiden erbaut, ist das
Grabmal des Augustus. Es ist ein Tumulusbau (zum Tumulusbau in der römischen
Geschichte (vrgl. Hesberg 19, S.94ff), wurde aber in Anlehnung an das Grabmal
des Mausollos in Halikarnass bereits zu Lebzeiten Augustus' Mausoleum genannt
(zur Typologie vrgl. Reeder 1992, S.265-307). Das Grab Augustus übertrifft
das zu damaliger Zeit größte bekannte Grab des Mausollos, das
zu den sieben Weltwundern der Antike zählte, noch an Ausmaßen:
Der monumentale Rundbau war etwa 90 Meter breit und über 40 Meter
hoch, einige Meter größer als das Vorbild. Der Bau ist wahrscheinlich
28. v.Chr. fertiggestellt worden, der Baubeginn entsprechend früher
(zur Bestimmung des Baubeginns bzw. der Fertigstellung vrgl. Kraft 1967,
S.192ff). Vermutlich faßte und veröffentlichte Augustus den
Entschluß zum Grabbau noch vor der Schlacht von Actium. Das Rundgrab
war in drei Ebenen zu unterteilen. Ein sehr großer Unterbau aus Tavertinblöcken,
die nach außen mit Marmor verkleidet waren, wurde von einer Erdaufschüttung
mit Bäumen oder Büschen bedeckt. Auf diesem Unterbau stand wiederum
der eigentliche Sockel für den Tumulus, ein Tambour von etwa 30 Metern
Durchmesser. Der Tumulus selber war in seinen Ausmaßen einem für
damalige Verhältnisse üblichen Tumulusgrab eines Senators vergleichbar.
Die Erdaufschüttung war geschmückt mit Statuen und Beutewaffen.
Den ungewöhnlichen Abschluß bildete eine Monumentalstatue des
Princeps (Hesberg 1988, S.100). Der Eingang des Mausoleums war flankiert
von zwei Obelisken und zwei Lorbeerbäumen. Über dem Eingang war
ein Ehrenschild angebracht (Rekonstruktionsversuche von Gatti 1989, S.25ff.).
Schild und Lorbeer waren die beiden Ehrensignien, mit denen der Senat Augustus
27 v.Chr. bedachte. Die Obelisken waren, wie auch der der Sonnenuhr, dem
Sonnengott Apollo geweiht. Augustus hatte noch vor Actium damit begonnen,
sich mit Apollo identifizieren zu lassen. Die Gärten auf dem Unterbau
sollten an ein weiteres Weltwunder erinnern: an die Gärten der Semiramis
in Babylon (Hesberg 1988, S.248). Das Grabmal will sich mit Verweisen auf
die Weltwunder in die Reihe der großen Bauten der Antike einfügen.
Der Tumulusbau war das typische Grab eines antiken Helden (ebd.). Der Tumulus
war als Grabform für Senatoren üblich gewesen. Ungewöhnlich
ist der sehr große Unterbau, der das Grabmal über alles andere
hinweghebt. Ungewöhnlich war auch, daß das Grab von einer Monumentalstatue
des Augustus bekrönt war. Man kann den Tumulusbau auch als Substruktion
für die kolossale Statue verstehen. Die genaue Größe ist
nicht bekannt, es gibt aber vergleichbar Statuen von Augustus, bei denen
allein der Kopf schon 1,50m groß ist. Mit dem ihn umgebenden Hain,
der der Bevölkerung offen stand zu Erholung, stach das Grab aus seiner
Umgebung hervor. Es war landschaftsbeherrschend. Vor dem Grab waren nach
Augustus Tod seine res gestae angebracht. Augustus Ruhm für
die Entwicklung der Stadt Rom sollte auch nach seinem Tod weiterhin sichtbar
und nachlesbar bleiben, und die Legitimität seiner Nachfolger sichern.Grund
des Baues könnte politische Strategie gewesen sein: Nach der indiskreten
Veröffentlichung des Testamentes des Antonius, in dem dieser die Bestattung
seines Körpers in Ägypten neben dem der Kleopatra verfügt,
ist die römische Stadtbevölkerung erbost, und erklärt ihn
zum Staatsfeind. Indem Octavian nun ein monumentales Grabmal in Rom für
sich und seine Familie errichtet, bekundet er der Stadt Rom seine ewige
Treue, bis über den Tod hinaus. Es diente als Kontrapunkt zu den großen
Grabbauten im Osten des Reiches, zu den Pyramiden in Alexandria und dem
Mausoleum in Halikarnass. Der Führungsanspruch Roms im Reich sollte
sich in der Architektur verkörpern. Es ist ein Zeichen der Propaganda
gegen Alexandria, das Antonius zur Hauptstadt eines geteilten Reiches machen
wollte. |
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3.2. Die Sonnenuhr - horologium solarium AugustiDem Sonnengott als Weihgeschenk, nachdem
Ägypten der Herrschaft des römischen Volkes zurückgegeben
war." (Inschrift des Obelisken) |
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3.3. Der Friedensaltar - ara pacis Augusti13 v. Chr. zum 50. Geburtstag des Augustus
vom Senat beschlossen und konzipiert, wurde der Altar 9. v. Chr. zusammen
mit dem Obelisken auf dem Marsfeld eingeweiht. Der Altar entspricht in
seiner Form und Funktion einem römischen templum, einer Opferstätte,
und ist der neuen Gottheit pax Augusta geweiht. Er besteht aus Tuff
mit einer Marmorverkleidung und ist mit einer ebenfalls marmornen Umfassungsmauer
von seiner Umgebung abgetrennt. Seine Ausmaße entsprechen denen des
Zwölfgötteraltares der Athener Agora (Zanker, S.164). Er ist
als Ort des Friedens aus dem Feld des Krieges (campus martius, dem
Kriegsgott Mars gewidmet, und Ort der Kriegsübung der Römer)
herausgenommen. Symbolik dieser Gegebenheit: Mars, der Vater des Stadtgründers
gewährt seiner Stadt den Frieden (ebd., S.30). Zusammen mit Äneas
erscheint der Gott Mars auf der westlichen, zum Marsfeld gerichteten Seite
der Umfassungsmauer. |
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| Auf den Nord- und Südseiten,
die nicht durch Türen unterbrochen sind, sind Menschen in einer Prozession
abgebildet. Die Gestalten, Togati, ziehen allesamt nach Westen, zum Marsfeld
bzw. zum Haupteingang hin. Die Gestalten halten sich beim Gehen zum Teil
auf, drehen sich um oder blicken den Betrachter an. Geprägt ist der
Zug von Feierlichkeit, z.T. halten die Menschen einen Lorbeerzweig, ein
weiterer Verweis auf Apoll, in den Händen. Wahrscheinlich handelt
es sich bei der abgebildeten Prozession um die Ehrprozession für Augustus'
Rückkehr aus dem Westen im Jahre 13 v.Chr. Abgebildet ist die Familie
des Augustus, Frauen, Männer und Kinder. Aufgrund der Anordnung der
Personen ist ihre Stellung zu Augustus auszumachen. Die genaue Identifizierung
der Personen hat sich bis heute hin als sehr schwierig erwiesen, für
den damaligen Betrachter dürfte dies allerdings kein Problem gewesen
sein. Augustus befindet sich auf der Südseite, der zur Stadt Rom gewandten
Seite. Er trägt ein Priestergewand und sein Haupt ist verdeckt. Ihm
voraus gehen zwölf lorbeerbekränzte Liktoren, die fasces ohne
Beil haltend. Hinter Augustus gingen vier Priester, vier Flamen. Die Nordseite
ist etwa gleich aufgebaut: auf der Höhe Augustus' ist Agrippa abgebildet,
ebenfalls mit verdecktem Haupt. Ihm voraus gehen ebenfalls Priester. Auf
der Umfassungsmauer sind die vier vornehmsten und wichtigsten Priesterkollegien
(quattor amplissima collegia) dargestellt: die quindecimviri
sacris faciundis, zu denen sowohl Augustus als auch Agripa gehörten,
die augures, die pontifices und die septimviri Epulones.
Augustus war Mitglied in allen vier Priesterkollegien. Auf dem Altar ist
er mit dem Stab des Auguren in der Hand abgebildet. Anscheinend legte Augustus
auf dieses Amt besonderen Wert, konnte er seinen Unternehmungen doch immer
positive Voraussagen machen. Der pontifex maximus ist nicht abgebildet,
da es sich zu der Zeit um Lepidus handelte, der in Verbannung war (Simon
1988, S.36-42). Die Darstellung der Priesterschaften unter Augustus entsprach
der Neugestaltung der Staatsreligion durch Augustus. Die Kollegien treten
gemeinsam auf, Augustus erscheint als das wichtigste Mtiglied aller. Es
spiegelt sich ein Machtverlust der Priesterschaften in der Bildkomposition
des Altares wieder (Zanker 1986, S.127). Die meisten der dargestellten
Priester haben Idealgesichter, nur wenige tragen charakteristische Züge.
Die neue pietas verträgt - neben Augustus - keine Ämterkonkurrenz
und Selbstverherrlichung. Der dargestellte Zug soll die Ehrprozession gelegentlich der Rückkehr des Augustus vom 4. Juli 13 v.Chr. darstellen (Settis 1988, S.418). Wie bereits 19 v.Chr. wird Augustus vom Senat ein Ehraltar angetragen, weil er drei Jahre lang erst den Osten und dann den Westen des Reiches befriedet hat. Dieser pax Augusta ist der Altar geweiht. Zu bemerken ist, daß pax nicht als Figur, wie man es gewohnt war, erscheint. Das Beiwort Augusta ist ihn selber, durch seine Familie (seine potentiellen Nachfolger) und durch die dargestellte Staatsordnung lesbar gewesen. Die pax muß für den damaligen Betrachter sofort verständlich gewesen sein. Durch Weglassen der Personifikation des Friedens ist der Frieden überall. Er zeigt sich in jeder einzelnen Figur, und in den Frieskompositionen. Der Friede ist an Augustus gebunden. Ohne ihn wäre der Frieden in dem Bildprogramm nicht lesbar gewesen, denn es handelt sich um einen Frieden der besonderen Ordnung. Es ist der Frieden, den der römische Staat der Umstrukturierung durch Augustus verdankt. Deshalb kann nur die neue Ordnung den Frieden angemessen darstellen. Es handelt sich hier um eine geschickte Komposition von Symbolen und Geschichte, von Zeigen und Weglassen, um der pax Augusta zu huldigen. Die ara pacis Augusti kann symbolisch für die Machtpolitik Augustus' nach Actium gelesen werden: sie ist vom Senat in Auftrag für Augustus gegeben worden, um weniger der pax als dem Epitheton Augusti Ehre und Anerkennung zu erweisen. In ihrer Bildsprache spiegelt sie den neuen Aufbau der Republik wider, der sich in erster Linie um Augustus und das julisch-claudisch Haus dreht (zur Darstellung der Prinzen auf der Umfassungsmauer vrgl. Zanker, S.218f.). Gefolgt wird die Dynastie von den Hohen Priestern, deren Mitgliedschaft unter Augustus zu den größten möglichen persönlichen Erfolgen gehörte (Settis 1988, S.416ff.). |
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4. ZusammenfassungAugustus setzte in seiner Baupolitik
die Ideen seiner Herrschaft um. Er setzte sich selbst Ehrendenkmäler,
machte sich zum Angelpunkt der Stadtentwicklung, restaurierte die alten
Bauten und Kulte, und verband die alten Sitten mit neuen Ideen und Einflüssen.
Das in Marmor wieder auferstandene Rom spiegelte die Mischung aus neuer
Technik mit altem Anspruch, aus altitalischen Vorstellungen und hellenistischen
Ideen. Die augusteische Mischung war im Alltagsbild zu sehen und zu erleben.
Er konnte durch seine Politik die Einzelnen zügeln und die Vielen
beruhigen. Vor allem aber konnte sich und seiner Familie die Macht sichern.
Die Bevölkerung Roms konnte die pax Augusta tagtäglich erleben.
Augustus, der ab 18 v.Ch. als Volkstribun regierte, konnte sich durch die
Erhöhung der Lebensqualität der Bevölkerung, verbunden mit
einem klaren propagandistischen Bildprogramm, sich ihre Untestützung
sichern. |
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LiteraturhinweiseBuchner, Edmund: Ein Kanal für
Obelisken. Neues vom Mausoleum des Augustus in Rom, in: Antike Welt, Bd.
27 (1996), S.161-168. |
Frédéric Bußmann, Venedig im September 1997