![]() |
Die Harkis - les oubliés de l'histoire |
| Inhaltsverzeichnis |
| 1. Einleitung |
| 2. Wer sind die Harkis? |
| 3. 1962: Evian, die Massaker und de Gaulle |
| 4. Conclusio |
| Literaturhinweise |
| Anmerkungen |
"La République française témoigne sa reconnaissance envers les rapatriés anciens membres des formations supplétives et assimilées ou victimes de la captivité en Algérie pour les sacrifices qu'ils ont consentis."(1) So lautet der Anfang eines Gesetzes vom 11. Juni 1994. Fast einstimmig beschlossen die beiden französischen Kammern das Gesetz, das nach 32 Jahren umfassend die Eingliederung und die Rechte der Français musulmans rapatriés (FMR)(2), die auf Seiten Frankreichs gegen den Front de libération nationale (FLN) kämpften und 1962 nach Frankreich flohen, regeln soll. Dieses Gesetz steht am Ende einer langen Reihe von Bestimmungen und Verordnungen, Apellen und Initiativen, Demonstrationen und Aufständen. Es sind hauptsächlich die Kinder derjenigen, die Harkis genannt werden, die in Frankreich aufgestanden sind, um als vollwertige Franzosen anerkannt zu werden. Gesetzliche Segregation und unterschwelliger bis offensichtlicher Rassismus bewegt sie, nicht wie ihre Eltern zu schweigen, sondern das Land, das so stolz die Fahne der Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit schwingt, unter der ihre Eltern gekämpft und gelitten haben, an seine Geschichte zu erinnern. Frankreich soll die von ihm hochgehaltenen Ideale endlich verwirklichen. 1975, 1987, 1991, 1994, Jahre in denen die aufgestaute Wut über die Ungerechtigkeit ihren Ausdruck in Straßenschlachten mit den CRS, Blockaden, Geißelnahmen und manchmal leider sogar Toten fand. Narbonne, Carcassonne, Saint-Laurent-des-Arbres, Jouques, Bias, was genau bewegt diese Menschen, die Kinder von Harkis sind? Wer sind die Harkis? Welche Rolle spielten sie in Algerien? Wieso empfinden sie sich bis heute noch unzureichend gerecht behandelt? Wie verhielt sich Frankreich im Zuge der "Dekolonisation" Algeriens und danach? Eine Schwierigkeit bei der Arbeit über die Harkis war, daß dieses Thema noch heute, 35 Jahre nach Beendigung des algerischen Unabhängigkeitskrieges (von einem Befreiungskrieg zu sprechen halte ich für falsch), sowohl auf algerischer Seite als auch auf französischer Seite Unbehagen auslöst, fast wie ein Tabu behandelt wird. Es gibt wenig Literatur über die Harkis, und die existierende ist oft stark tendenziös. Ein weiteres Problem hatte ich damit, daß ich nur Literatur aus Frankreich zur Hand hatte, von der algerischen aber keine Ahnung habe (vielleicht gehören die Harkis in Algerien in der Tat zu den gewollt "Oubliés de l'histoire"(3)). Es fehlt eine Seite der Geschichte. So ist zu befürchten, daß auch meine Arbeit tendenziös ausfallen wird. Zu bemerken ist aber, daß in den Neunziger Jahren verstärkt über die Harkis geschrieben wird. Das ist besonders den Jungen Franzosen, deren Eltern Harkis waren, zu verdanken. Das Wort Harki ist ein militärischer Ausdruck, und ist dem arabischen Wort harka abgeleitet. Harka heißt im Arabischen die Bewegung und die Truppe.(4) Die Harkis sind also Mitglieder von beweglichen Truppeneinheiten. Das französische Wörterbuch Larousse definiert den Harki als "militaire qui servait comme supplétif dans l'armée française d'Afrique du Nord". Die Harka war eine die französische Armee in Nordafrika unterstützende Einheit von Algeriern(5). Sie gehörte nicht den regulären Truppen an(6), war aber französischen Offizieren unterstellt. Die Harkis erhielten nur Ein-Monats-Verträge, konnten jederzeit gekündigt werden, und bekamen bei Verletzungen Schadensersatz nach der Arbeitsunfallregelung, nicht als Kriegsveteranen.(7) So hatten sie lange Zeit auch keinen Anspruch auf Kriegsrente. Die erste unterstützende Einheit wurde 1954 auf Anraten des Ethnologen Jean Servier in der Region Aurès [od. Arris] ins Leben gerufen. Anlaß war die Ermordung eines jungen französischen Lehrerehepaares und ihres algerischen Fahrers.(8) Ihre anfängliche Aufgabe war die Verteidigung ihrer Dörfer und Familien gegen fellaghas, Banditen oder Gesetzlose, wie oft die Kämpfer der Front de libération nationale (FLN) genannt wurden.(9) Die Mitglieder dieser Groupe d'autodéfense (GAD) verließen ihre Dörfer nicht. Sie dienten ausschließlich der Verteidigung. Von diesen festansässigen Gruppen ausgehend, wurde 1956 offiziell die erste Harka gegründet. Sie sollten beweglich als Jäger und Aufklärer eingesetzt werden können.(10) Die ortsansässigen Algerier schienen für diese Aufgabe am besten geeignet, da sie das Gelände am besten kannten. Sie wußten besser als die Franzosen, wohin sich die Kämpfer des ALN zurückziehen würden bzw. wie sie im Kampf vorgehen würden. Die Franzosen brauchten auch Algerier in ihren Reihen, weil sie begriffen, daß Algerien ohne die Unterstützung von Eingeborenen nicht zu halten war (z.T. hatten sie das in Indochina gelernt, wo viele vorher gekämpft hatten).(11) Sie sollten auch allgemeine Vertigungsaufgaben übernehmen, doch ihr Grundcharakter war nicht wie bei den GAD oder den Moghaznis defensiv, sondern offensiv. Wieviele Algerier in den unterstützenden Einheiten waren, ist umstritten. 1957 sollen es 42 000 und 1958 bereits 88 000, davon 24 000 Harkis, gewesen sein(12). Die Bewährung der Harka im Kampf gegen die Rebellen ließ den General Challe vor seinem Amtsantritt als Oberster Befehlshaber in Algerien die Verdoppelung dieser Einheiten von de Gaulle fordern. So sollen 1959 60 000 Harkis in 800 Harka organisiert gewesen sein.(13) Der Anstieg der Harkis um 1958 wird auch mit dem Erfolg des Generals Challe im Kampf gegen die FLN begründet. Die Bevölkerung soll sich mit dem anscheinenden Schwinden des FLN von ihm abgewandt und verstärkt den Franzosen zugewandt haben. Um 1962 gehen die Zahlen von 58 000 bis hin zu 70 000 in Harka organisierten Menschen aus.(14) Die Gesamtzahl der Algerier, die gegen den FLN gekämpft haben, wird auf 250 000 bis 300 000 geschätzt, mit Familie auf über eine Milionen.(15) Die Zahl der 1988 in Frankreich lebenden Harkis samt Familie wird mit 250 000 beziffert, doch ist diese Zahl nur sehr ungenau. Wieviele Kämpfer die ALN samt Sympathisanten hatte, ist unbekannt. Von der FLN sind keine Zahlen bekannt ("Un seul héros, le peuple"). Maurice Faivre, ein Reservegeneral, schätzt sie auf 48 000 im Jahre 1961, wovon sich 32 000 in Tunesien und im Marokko aufgehalten haben sollen.(16) Michel Roux, ein Historiker, zitiert Mohamed Teguia, der der ALN im Jahre 1958 75 000 bis 90 000 Soldaten zubilligt.(17) 1983 erklärte der Kolonel Azzedine, daß die ALN niemals mehr als 50 000 Mitglieder hatte.(18) Frankreich konnte sich auf eine aktive Basis stützen, die im Vergleich mit der damaligen algerischen Bevölkerung zwar relativ klein war (um 1960 gab es etwa 8 Mio. Algerier), doch zahlenmäßig dem FLN anscheinend überlegen war. Die Gründe, warum ein Algerier auf Seiten Frankreichs kämpfte,
sind ebenso unterschiedlich wie die sozio-kulturellen Schichten, aus denen
diese Menschen kamen. Neben der élite francisée, die
hohe Verwaltungsbeamte, Abgeordnete und Notablen umfaßte, unterstützte
auch eine Anzahl von 'einfachen' Menschen Frankreichs Präsenz in Algerien.
Für die algerische Oberschicht war es klar, daß sie gegen eine
Loslösung Algeriens unter der Aufsicht der FLN sein mußten.
Sie waren meistens in Frankreich ausgebildet worden, hatten die französische
Kultur verinnerlicht und saßen in gutbezahlten und machtvollen Positionen
in Algerien. Als Vorzeigeprodukte der Assimilation konnten sie bei einer
Unabhängigkeit unter der FLN nur verlieren. So verließen auch
fast alle 1962 Algerien, um sich in Frankreich problemlos einzugliedern.
Bei den anderen Bevölkerungsschichten sah es natürlich weit weniger
pro-französisch aus. Sie hätten in materieller Hinsicht zumindest
nicht mehr zu verlieren gehabt, da auch jetzt nur ein Viertel des fruchtbaren
Landes Algeriern gehörte. Dennoch schlossen sich auch Bauern den Franzosen
aus Überzeugung an. Viele hatten bereits als Soldaten im 1. Weltkrieg
gedient und waren im 2.WK und in Indochina mit dabei. Für sie war
Frankreich ihre Patrie, zumindest fühlten sie sich an ihren
militärischen Vorgesetzten gebunden. Zum Teil verstanden sie nicht,
was die FLN wollte, sie war ihnen suspekt. Mangel an Information und Aufklärung
einerseits, Propaganda durch die koloniale Presse andererseits machten
die Menschen den "Rebellen" gegenüber mißtrauisch. Dazu kommt,
daß sie den blutig unterdrückten Aufstand 1945 nicht vergessen
hatten. Sie wußten, mit welcher Kraft Frankreich an Algerien hing.
So waren Treue gegenüber militärischen Kadern und Resignation
gegenüber der französischen Übermacht Gründe gewesen,
wenn nicht sich den Supplétifs sofort anzuschließen,
so dennoch sich gegen die Mudjhahidins der FLN zu wehren.(19)
Viele waren bereit, den Harka beizutreten, um den Repressionen der frz.
Armee zu entgehen, und die Ihren vor den Terrorangriffen der FLN zu schützen.
Neben der Liebe zu Frankreich, der Treue zu einem frz. Offizier, dem Glauben
an das politische System Frankreichs und damit an die erwünschte Gleichheit
mit den Franzosen(20), scheinen drei Gründe
überzeugender: die Angst vor den Repressionen der frz. Armee, der
Wille zur Verteidigung gegen den Terror des FLN und auch Familienfehden.
Streitereien unter den verschiedenen Clans führten oft dazu, zu einem
der beiden Lager zu gehen. Schließlich würde man dann nicht
mehr 'nur' einen Menschen töten, sondern auch den Apparat angreifen,
für den er steht. Umgekehrt konnte ein Harkis oder ein Moujahidin
sich einfacher rächen. Er konnte sich an einem anderen vergreifen,
ohne unbedingt belangt zu werden. So konnte es für eine Familie, wenn
sie mit einer anderen im Streit lag, von strategischem Vorteil sein, sich
Frankreich oder dem FLN anzuschließen. Streit und Rache waren oft
auch Gründe, einen Menschen bei den frz. Behörden oder bei der
FLN 'anzuzeigen'. Wollte dieser nicht seinen Kopf riskieren, auch er wenn
keinem Lager angehörte, war er jetzt gezwungen, Schutz bei den einen
oder den anderen zu suchen. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und der
Glaube an politische Ideen des FLN war für die meisten FLN-Angehörigen
der Hauptgrund gewesen sich zu engagieren. Doch spielten auch andere Überlegungen
eine Rolle, so z.B. die durch gewonnene Macht erlangten materiellen und
sozialen Vorteile. Nicht zuletzt zwang sie der Druck, die gewaltsame Überredung
durch die Djounoud der ALN beizutreten.(21)
Viele sahen sich in diesem 'subversiven Krieg' von der FLN genötigt,
wenn sie sich nicht zu den Franzosen bekennen wollten, sich zum FLN bekennen
zu müssen.(22) Doch wird 1962 der
einzige Grund bei den sogenannten Marsiens(23),
den "Kämpfern der letzten Stunde", reines Mitläufertum gewesen
sein. Bei Verkündung der Vereinbarungen von Evian verzehnfachte sich
die Zahl der ALN-Kämpfer.(24) Als
entschieden war, wer die Macht im Land haben wird, drehte sich die Tricolore
vor dem Haus im Wind der Revolution. Die drei Farben der französischen
Revolution, die Farben der Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit,
die in Hundertdreißig Jahren zur Unkenntlichkeit verblaßten,
wandelten sich ins Grün des Islam und ins Rot der sozialistischen
Revolution, hinter dem Halbmond mit Stern. Doch die einzige Farbe, die
die Masse der "Marsiens" kannte, war die Farbe des Blutes ihrer algerischen
Brüder. Gewaltanwendung war auch bei den Franzosen keine Ausnahme:
Algerier wurden u.a. durch Folter gezwungen Harkis zu werden. Die Franzosen
rekrutierten die Harkis z.T. mit den gleichen Mitteln wie die ALN.(25)
Aber oft war dies gar nicht mehr nötig, denn der FLN betrachtete jemanden
bereits als Verräter, wenn er bestimmte Regeln nicht beachtete. In
ein Verwaltungsgebäude gehen, Rauchen oder auch wählen gehen
waren in den Augen des FLN schon die Schuldbekenntnisse von Verrätern.
Nur ein Gespräch mit einem frz. Militär konnte ausreichen, um
vom FLN verurteilt zu werden. Algerier mußten Partei für Frankreich
beziehen, weil die FLN nur ein Für oder ein Gegen duldete. Die Franzosen
konnten auf diese Art einen Algerier gezielt kompromittieren, so daß
dieser schnell nach Schutz vor der FLN nachfrug.(26)
Ganze Dörfer suchten den Schutz der Franzosen wegen drohender Bestrafung
durch die Djounoud.(27) Man kann das Kämpfen
mit Frankreich nicht unbedingt mit dem Kämpfen für Frankreich
gleichsetzen. Das starke Ansteigen der GAD verdeutlicht den Willen der
Algerier selbstbestimmt zu leben, aber nicht die Fesseln der Kolonisatoren
durch die Peitsche der "Befreier" der FLN einzutauschen.
3. 1962: Evian, die Massaker und de Gaulle 18. März 1962: Vertreter der französischen Regierung und Vertreter des FLN unterzeichnen die Accords d'Evian. Sie sollen einen Schlußstrich ziehen unter 130 Jahre Kolonialherrschaft Frankreichs und unter sieben Jahre Krieg in Algerien. Dem Algerischen Volk soll die volle Souveränität gegeben werden. Alle Kriegsaktivitäten sollen eingestellt und das zukünftige Miteinander von Algeriern und Franzosen geregelt werden. Für Frankreich unterschreiben die Gesandten des vom Volk direkt gewählten Präsidenten Charles de Gaulle, die Minister Louis Joxe, Robert Buron und Jean de Broglie. Für den Front de libération national, einer Gruppe, die zwar hoffen durfte, für einen großen Teil der Algerier zu sprechen(29), aber dennoch weniger als einen Prozent des algerischen Volkes in seinen Reihen wußte(30), unterzeichnete der Präsident des GPRA(31) Belkacem Krim. Ihre Größe und ihre inneren Machtkämpfe sprachen ihnen nicht das Recht ab, für Algerien zu verhandeln, immerhin hatten sie den Kampf gegen Frankreich aufgenommen, aber es legitimiert bestimmt nicht ihren von Frankreich 1962 akkzeptierten Alleinvertretungsanspruch. Beachtet wurden in den Verhandlungen weder die pro-französischen Algerier, noch die Kämpfer des Mouvement Nationale Algérien (MNA), noch die Messialisten und auch nicht die Pieds-noirs, die in Algerien lebenden Europäer (nicht nur Franzosen). Insgesamt wurden über 2 650 000 in Algerien lebende Menschen übergangen.(32) Den Vereinbarungen vorausgegangen waren ab etwa 1960 Geheimgespräche zwischen den Rebellen und der Regierung. De Gaulles anfängliche Ablehung von Verhandlungen mit dem FLN überhaupt hatte sich hin zu einem Akzeptieren des FLN als einzigen Repräsentanten Algeriens in den Gesprächen gewandelt. Auch de Gaulles offizielle Äußerungen gingen von einem "Vive l'Algérie française!"(33) [6. Juni 1958] über ein "gouvernement des Algériens par les Algériens, appuyé sur l'aide de la France"(34) [16. September 1958] bis hin zu einem "la décolonisation est notre intérêt, donc notre politique"(35) und dem "guêpier algérien"(36) [1. April 1961]. Eindeutig ist ein Wandel in seiner Politik sichtbar. De Gaulle, 1958 als der "Retter" Frankreichs erst zum Ministerpräsident ernannt, dann zum ersten Präsidenten der fünften Republik gewählt, sollte die Probleme Frankreichs, allen voran "das algerische Problem" lösen. Der General war es, der am 13. Mai 1958 beim Generalstreik in Algier von den Unzufriedenen gerufen wurde.(37) Er war der Mann, dem die Franzosen vertrauten, der Freiheitskämpfer, der das gute Frankeich repräsentierte (auch wenn er fast einen Staatsstreich ausgelöst hätte!(38)). Er schuf sich eine fast schon religiöse Aura. Die Franzosen waren zuversichtlich, er würde in Algerien das Richtige tun. Doch die Frage war: was war das Richtige? Für einen Franzosen des Mutterlandes war es was anderes als für einen Pied-noir, einen Militär oder für einen Harkis, geschweige denn für einen Moudjahidin. Und was de Gaulle für das Richtige hielt, läßt sich anhand seiner Äußerungen nur vermuten. 1958 konnte er bei seinem ersten Besuch als Präsident in Algier und Oran noch Hunderttausenden begeistertern Algeriern versichern "Je vous ai compris!"(39). Alle glaubten an ihn, doch keiner wußte genau, was er vorhatte. Seine offiziellen Erklärungen waren diplomatische Äußerungen, keine überzeugten Worte. 1948 erklärte er: "La France, quoi qu'il arrive, n'abondonnera pas l'Algérie".(40) Er soll aber bereits seit 1944 überzeugt davon gewesen sein, "que l'Algérie finirait par être indépendante"(41). Er selbst wird während der ersten Phase des Algerienkrieges von Nahestehenden bereits mit den Worten "l'Algérie sera indépendante"(42) zitiert, erklärt aber öffentlich nach dem Referendum vom 28. September 1958 daß die Wahl "engage mutuellement et pour toujours l'Algérie et la France"(43). Einen Widerspruch in seinen Aussagen ist klar zu erkennen. Damals mußten sich die Menschen in erster Linie an seine offiziellen Darstellungen halten, die meistens rhetorisch so gut waren, daß sie vielseitig interpretierbar waren, daß jeder das lesen konnte, was er wollte. Wenn de Gaulle am 4. November 1960 erklärt: "Il m'appartient d'être, quoi qu'il arrive, le garant de l'indépendance et de l'intégrité de la France"(44), so kann ein Pied-noir mit "intégrité" das französische Algerien miteinbeziehen, ein Mutterländler sich auf eine stabile Metropole ohne Algerien beziehen. Mit der Zeit einsehend, daß Algerien in Frankreich nicht mehr zu halten ist, versucht er eine möglichst schonende Alternative zu finden. Er mußte Rücksicht auf die Pieds-noirs nehmen, Rücksicht auf die Armee, die gerade erst einen tiefen Rückschlag in Indochina erlitten hatte und er mußte das Beste für das Mutterland suchen. 1958 hielt er die Zeit noch nicht reif die Unabhängigkeit Algeriens öffentlich zu bejahen. Das Militär war stark, hatte es es doch für möglich gehalten, ihn durch einen Staatsstreich an die Macht zu bringen. Die Situation im Mutterland war chaotisch. Er brauchte Zeit, um die Verfassung der fünften Republik zu etablieren und seine Position durchzusetzen. Deshalb versuchte er anfangs, allen Ansprüchen zu genügen. Ab 1961 aber änderte sich seine Politik: Er sah die Politik der Assimilation und die der Integration gescheitert(45), glaubte an keine militärische Lösung des Konfliktes, und sah sich und Frankreich durch die geschickte Politik des FLN, den Konflikt zu internationalisieren(46), langsam von der Welt isoliert. Er wollte aus Frankreich einen modernen Staat machen, der sich koloniale Abenteuer weder wirtschaftlich noch politisch leisten konnte. Er wollte Frankeich seine große internationale Rolle zurückgeben, und entschloß sich, das Projekt Algerien so schnell es ging zu Ende zu bringen. De Gaulle konnte auf den Rückhalt der Franzosen des Mutterlandes vertrauen: 78% der Franzosen wünschten sich 1961 die Aufnahme von Verhandlungen, und 82% waren nach Abschluß der Vereinbarungen zufrieden damit.(47) Durch allgemeingehaltene Referendi und Umfragen konnte in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, fast ganz Frankreich steht wie ein Mann hinter ihm.(48) Er fing an mit dem FLN zu verhandeln, beauftragte seine Delegierten, so schnell wie möglich zu einem Ergebnis zu kommen. Das Wohl der Metropole war wichtiger als der Schutz pro-französischer Algerier. So kam es, daß de Gaulle 1962 alle Bedingungen des FLN akzeptierte. Er opferte die ihm loyal zur Seite stehenden Menschen seiner Hast. "Pourquoi avoir accepté jusqu'en 1960 d'engager des harkis, wie Mohand Hamoumou fragt, alors qu'en 1955 il était déjà convaincu de l'indépendance?"(49) Der Anfang vom Ende der Harkis in Algerien fing im Frühjahr 1961
an. Um seinen guten Willen zu zeigen, verkündete de Gaulle einen einseitigen
Waffenstillstand. Die "Unterbrechung der offensiven Handlungen"(50),
wie sie genannt wurde um möglichst wenig zu bekennen, der "Putsch
der Generäle" einige Stunden nach Verkündung der "Unterbrechung"
und das Gerücht, die Supplétifs würden verringert, lösten
ein Welle von Desertionen aus.(51) Die
Supplétifs waren verunsichert, sie ahnten Böses. Und in der
Tat: Ab Mai 1961 fingen französische Offiziere an die Supplétifs
zu entwaffnen. Unter fadenscheinigen Vorwänden wurden ihnen ihre Gewehre
abgenommen, z.B. mit der Lüge, sie würden moderne Waffen dafür
bekommen.(52) Die meisten Harka folgten
den Anweisungen von skrupellosen Offizieren, die genau wußten,welche
Folgen dies hatte.(53) Es gab zwei offizielle
Gründe für die Entwaffnung: zum einen die Desertionen; die Franzosen
hattten Angst, zuviele Waffen könnten in die Hände der ALN fallen.
Zum anderen die Angst vor einem bewaffneten Aufstand der Harkis. Die Entwaffnung
war ein Teil der geheimen Vorgespräche gewesen.(54)
Der FLN hattte sie gefordert, und die Franzosen hatten nachgegeben. Die
Entwaffung hatte für die Harkis fatale Konsequenzen: Sie selbst konnten
sich nicht mehr verteidigen, waren also gegenüber dem ALN schutzlos.
Somit waren sie völlig abhängig vom Willen der französischen
Armee sie zu beschützen.(55) Und genau
das geschah nicht. Nachdem die Armee begonnen hatte, die Harka zu entwaffnen,
fing sie an die Einheiten aufzulösen. Es wurde mit den kleinen Harka
angefangen, und nur einige der sehr großen Harka mit über 100
Männern weigerten sich, ihre Waffen abzugeben (diese wurden dann als
Deserteure angeklagt)(56). Bei Abschluß
der Vereinbarungen von Evian waren fast alle Einheiten aufgelöst.
Und nun kam die große Stunde der Rache. Hatten die Vereinbarungen
von Evian in Artikel 2 den Schutz der französischen Bevölkerung
versprochen, so waren damit die citoyens de statut civil de droit commun,
und nicht die citoyens de statut civil de droit local gemeint.(57)
Die Harkis und die anderen Supplétifs waren zu Spielsteinen auf
dem Brett der politischen Verträge geworden.(58)
Während der ersten drei bis vier Monate, die dem Vertrag folgten,
war die Situation ruhig und friedlich. Die meisten Harkis und Franzosen
wurden beruhigt, es geschehe ihnen nichts, die Vereinbarungen würden
eingehalten.(59) Aber ab Ende Juli fingen
die Massaker und Grausamkeiten schlagartig an: Folter der abartigsten Art,
wie sie z.B. der Sous-préfet von Akbou, Mr. Robert berichtet.(60)
Dieser schätzt die Zahl der ermordeten Algerier auf über 100
000.(61) Über die genaue Zahl wird
natürlich gestritten, unbestritten ist aber, daß es mindestens
100 000 gewesen sein müssen. Wie Guy Pervillé sagt, "le vrai
nombre des victimes est inconnu mais l'horreur de leur mort ne lui est
pas proportionelle"(62). Es wurden Konzentrationslager
eingerichtet.(63) Die französische
Armee, die laut Vereinbarungen in Algerien noch stationiert bleiben sollte,
um die Einhaltung dieser durchzusetzen, hatte Order bekommen nicht einzuschreiten.(64)
Vor den Kasernen wurden die Harkis auf bestialische Weise umgebracht, und
die Politiker in Frankreich hatten beschlossen sich herauszuhalten. Desweiteren
wurden den Offizieren Strafen angedroht, die den Versuch unternehmen sollten,
Harkis nach Frankreich zu bringen.(65)
In einem Telegramm vom zuständigen Staatssekretär Louis Joxe
heißt es: "Ministre d'Etat Louis Joxe demande à Haut-Commisaire
rappeler que toutes initiatives individuelles tendant à l'installation
métropole Français Musulmans sont strictement interdites.
En aviser d'urgence tous chef SAS et commandants d'unité".(66)
Sie waren gezwungen ihre Untergebenen, die, die ihnen Vertrauen geschenkt
haben, die den Politikern vertrauen geschenkt haben, im Stich zu lassen.
Wie Catherin Wihtol de Wenden richtig bemerkt: "Il est évident que
la sécurité des harkis n'a jamais soulevé une crise
de conscience chez les politiques".(67)
Man ließ sie abschlachten und verbot ihnen die Einreise ins Mutterland.
Pierre Montagnon erklärt dies als "vorhersehbar und vorgesehen"(68).
Auf einmal waren sie keine Franzosen mehr. Es gab bürokratische Hürden,
die es den Harkis, die in der Mehrzahl Analphabeten waren, schwer machten,
die französische Staatsbürgerschaft zu erwerben.(69)
Ein Harkis mußte offiziell um die Staatsbürgerschaft schriftlich
anfragen, und auch offiziell nach einem Rapatriement fragen, wenn er sich
bedroht fühlte.(70) Tat er das nicht,
so wurde er automatisch algerischer Staatsbürger.(71)
Einige private Initiativen von Pieds-noirs und von SAS-Offizieren halfen
den Harkis nach Frankreich zu kommen. Einige Offiziere quittierten wegen
der Politik de Gaulles den Dienst, doch waren diese eher Ausnahmen.(72)
Für die Pieds-noirs hatte es einen Plan de Rapatriement gegeben, für
die Harkis gab es nichts dergleichen.(73)
Im Gegenteil, alle "illegal" ins Mutterland kommenden sollten wieder nach
Algerien zurückgeschickt werden.(74)
Zynisch hatte das Interesse des Mutterlandes bei de Gaulle über das
von Menschenleben gesiegt. Kühles Kalkül führten zu einem
der "plus effroyables massacres du siècle"(75).
"La politique algérienne du général de Gaulle fut donc un échec déguisé en succès"(76) urteilt Guy Pervillé. Von einer Niederlage zu sprechen scheint noch untertrieben: Frankreich und De Gaulle persönlich tragen die Verantwortung für den Tod von über Hunderttausend Menschen zu der Zeit in Algerien. Die Hast, mit der de Gaulle die Vereinbarungen zum Abschluß bringen wollte, und wegen der er den FLN als alleinigen Vertreter Algeriens anerkannt hatte, war ein Verrat an über 1,6 Mio. Algeriern. Die Entwaffnung und die Auflösung der Einheiten lieferten bewußt Hunderttausend Algerier schutzlos dem FLN aus. Die Anweisung des Nichteinmischens der französischen Armee nach dem 19. März 1962 zwang Franzosen ihr Wort zu brechen, und hunderttausend Algerier in einem Massaker aufzugeben. Die bürokratischen Hürden zur Anerkennung der Harkis als französische Staatsbürger, der Mangel an Plänen für ein Rapatriement, und noch mehr, das Verbot der Einreise und das Zurückschicken von Harkis nach Algerien legen den Zynismus offen, mit der de Gaulle und Frankreich die Algerier in altem kolonialem Stil nur zum Vorteil des Mutterlandes benutzt haben, ohne für sie eine Verantwortung tragen zu wollen.(77) De Gaulle trägt die Verantwortung dafür, daß eine ganze Generation von Franzosen unter dem Trauma des Algerienkrieges leidet.(78) Keine vergleichbaren Situationen hatte es seit den Grausamkeiten der Nazizeit mehr gegeben, kein kolonialer Konflikt hat so unglücklich und schuldhaft geendet.(79) Den Harkis, die es geschafft haben nach Frankreich zu gelangen, gab das Land keinen guten Empfang. Zusammengepfercht in Lagern, in denen vor ihnen zum Teil deutsche Kriegsverbrecher, FLN-Anhänger und OAS-Terroristen gefangen gewesen waren, sollten sie es lange Zeit sehr schwer haben, ihren Ruf als Verräter oder als OAS-Unterstützer loszuwerden, und sich in die französische Gesellschaft zu integrieren.(80) Die Harkis sind bis heute eine Randgruppe geblieben. Obwohl die französischen Regierungen Anstrengungen unternommen haben, ihnen zu helfen, geschah dies in einer Weise, die die Ausgrenzung noch verstärkt hat.(81) Die Lager im Süden Frankreichs stehen noch heute. Noch heute leben Harkis in der Zurückgezogenheit des Zentralmassifs. Vor etwa zehn Jahren fing in Frankreich ein Prozeß an, die Harkis als gleichwertige Franzosen anzuerkennen. Ähnlich dem Prozeß, in dem Historikerinnen und Historiker einer jüngeren, 'unschuldigeren' Generation anfingen, die Rolle der Grande Nation während des Vichy-Regimes neu zu überdenken, wurde sich auch der Schuld der Ex-Kolonialmacht im Algerienkrieg erinnert. Doch die breite Masse der Bevölkerung macht auch heute noch keinen Unterschied zwischen einem Harki und einem Immigré algérien.(82) Die verstärkte Anzahl von Publikationen, und ein anscheinend verändertes Bewußtsein der politischen Klasse, wie es das Gesetz vom 11. Juni 1994 verkörpert, lassen hoffen, daß diesen Menschen ein gerechterer Platz in der französischen Republik und vor allem in der französischen Geschichte eingeräumt wird. Aber "gesundes Volksempfinden" läßt sich nicht per Gesetz bestimmen. |
Abdellatif, Saliha: Les français musulmans ou le poids de l'histoire à travers la communauté picarde, in: Les temps modernes, Nr. 452-454 1984, S. 1812-1838
Ageron, Charles-Robert: La décolonisation française, Paris 1991
ders.: Histoire de l'Algérie contemporaine, Paris 101994 (PUF - Que sais-je?)
ders.: Histoire de la France coloniale, Paris 1991
Boualam, Saïd: Mon pays, la France, Paris 1962 (France-Empire)
Bouneb, K.D.: Délit des faciés. Intégration des harkis, Paris 1991 (Tougui)
Brierre, Camille: Qui sont les harkis?, Paris 1987 (L'Atlanthrope)
Camus, Albert: L'Été, Paris 1954 (Gallimard)
Faivre, Maurice: Les combattants musulmans de la guerre d'Algérie. Des soldats sacrifiés, Paris 1995 (L'Harmattan)
ders.: Un village de harkis, Paris 1994 (L'Harmattan)
Hamoumou, Mohand: Et ils sont devenus harkis, Paris 1993 (Fayard)
ders.: Les harkis. Un trou de mémoire franco-algérien, in: France-Algérie: les blessures de l'histoire, Esprit Bd. 5/1990, S.25-44
Hommes & Migrations, Les harkis et leurs enfants, Nr. 1135 September 1990
Jordi, Jean-Jacques: De l'exode à l'exil. Rapatriés et pieds-noirs en France, Paris
1993 (L'Harmattan), spez. S.171-179
Méliani, Abd-El-Aziz: Le drame des harkis. La France honteuse, Paris 1993 (Perrin)
Pervillé, Guy: De l'Empire français à la décolonisation, Paris 1993 (Hachette)
Roux, Michel: Les harkis. Les oubliés de l'histoire 1954-91, Paris 1991 (La Découverte)
Sartre, Jean-Paul: Wir sind alle Mörder. Der Kolonialismus ist ein System, Reinbeck bei
Hamburg 1988 (Rowohlt)
Stora, Benjamin: Histoire de l'Algérie coloniale. 1830 - 1954, Paris 1991 (La Découverte)
ders.: Ils venaient d'Algérie. L'immigration algérienne en France, Paris 1992 (La Découverte)
Eine ausführliche Bibliographie ist zu finden bei Mohand Hamoumous
"Et ils sont devenus Harki".
1. Le Monde, 28. November 1994, S.11
2. Eine umstrittene Bezeichnung, da es sich auf die aus Nord-Afrika stammende Bevölkerung beziehen soll, musulman aber in erster Linie eine religiöse Bezeichnung ist. Weder sind alle Rapatriés Moslems, noch sind stammen alle Moslems in Frankreich aus Nord-Afrika. In Frankreich wird inzwischen auf den Ausdruck FMR zugunsten von Rapatriés d'origine nord-africaine (RONA) verzichtet.Verwendet wurde auch der Ausdruck Français de souche nord-africaine (FSNA) (cf. Mohand Hamoumou, 1993, S.41ff).
4. cf. Le Monde, 7.8.1991, S.7
5. Da sich Algerien erst 1962 politisch als eine Nation konstituirt, werde ich im Folgenden Franzosen europäischer Abstammung als Franzosen und Franzosen nord-afrikanischer, sprich arabischer oder berberischer Abstammung als Algerier bezeichnen. Ich bin mir zwar bewußt, daß ich damit den Fehler begehe, der ein Kernproblem meines Themas darstellt, doch erleichtert diese Vergröberung die Lesbarkeit der Arbeit.
6. Die Franzosen waren der Integration von Algeriern in so wichtigen Positionen wie der Armee eher feindlich eingestimmt. Ganz im kolonialem Stil sollten die Eingeborenen keine Schlüsselpositionen übernehmen. "Malgré la réticence, voire l'hostilité des Européens à l'idée d'intégrer des musulmans dans la défense armée des villes et des villages [...]" Hamoumou 1993, S.115
7. "Soldats dans les faits, les supplétifs étaient traités comme des civils pour les risques." Roux, S.140
8. cf. Maurice Faivre in Hommes et Migrations, September 1990, S.14
9. Die Armée de la libération nationale (ALN), der militärische Arm der FLN, nannte seine Kämpfer moudjahidin, Kämpfer des heiligen Krieges.
10. "Le meilleur chasseur de fellaghas est le FSNA [Français de souche nord-africain]." General Challe zitiert in Hamoumou 1993, S.162
11. "Les officiers avaient très vite saisit qu'il était impossible de tenir un pays comme l'Algérie sans un réel appui des autochtones." Hamoumou 1993, S.115
12. Cathrin Withol de Wenden in Hommes et Migrations, September 1990, S.9
13. Maurice Faivre in Hommes et Migrations, September 1990, S.14 und Hamoumou 1993, S. 116
15. Maurice Faivre in Hommes et Migrations, September 1990, S.16 und Hamoumou 1993, S. 123
20. U.a. Gründe, die Cathrin Withol de Wenden in Hommes et Migrations, September 1990, S.8 nennt.
21. cf. Hamoumou 1993, S.162ff oder auch Roux, S.141ff
22. "L'objectif de toute guerre révolutionaire étant de concquérir la population, le FLN s'impose à la fois par la persuasion, le xénophobie et la terreur (élimination des notables et des partisans de l'influence française: 29.700 civils musulmans tués de 1954 à 1961)." Faivre, S.15
23. Diejenigen, die im mars, im März der FLN beigetreten sind.
24. Kommandant Azzedine, ehemaliger Oberbefehlshaber der ALN:"Si l'Algérie pensionne un million de moudjahidines anciens combattants, neuf sur dix sont des faux anciens combattants qui ont volé au secours de la victoire en 1962. En réalité nous n'avons jamais été plus de cinquante mille [...]." Zitiert in Méliani, S.57
27. Mohand Hamounou schreibt, daß die "villages d'autodéfenses se multiplièrent rapidement: au nombre de 18 au 1er Janvier 1957, ils étaient 385 au 1er Janvier 1960." Hamoumou 1993, S.167
29. Beim Referendum über die Unabhängigkeit am 1. Juli 1962 stimmen 91,23% der Bevölkerung für die Unabhängigkeit, cf. Roux S.180
30. Bei über zehn Milionen Algeriern machten die Kämpfer der ALN und die Politiker der FLN, weniger als Hunderttausend Menschen, nicht mehr als ein Prozent aus.
31. Gouvernement provisoire de la République algérienne, am 19. September 1958 in Kairo unter seinem Präsidenten Ferhat Abbas ausgerufen worden, lediglich von den arabischen und von einigen kommunistischen Staaten in Asien anerkannt worden, cf. Pervillé, S.208. Es gab Machtkämpfe um den Führungsanspruch zwischen GPRA, FLN und ALN, genauer zwischen Ferhat Abbas, Ben Bella, Boumédienne und Boudiaf, aus denen Ben Bella als Sieger und Abbas als Verlierer hervorging. Boumédienne stürzte Ben Bella 1965 und wurde Präsident. Boudiaf wurde für 30 Jahre ins Exil geschickt und wurde 1992 durch einen Putsch Präsident.Boudiaf wurde 1992 ermordet. cf. Ageron 1994, S.115ff.
33. zitiert in Hamoumou 1990, S.34
34. zitiert in Pervillé, S.214
36. zitiert in Hamoumou 1993, S.262
37. "[...] pour qu'en France soit formé un gouvernemt de salut public présidé par le général de Gaulle!" General Massu zitiert ebd., S. 258
38. Pierre Méndes-France: "C'est parce-que le parlement c'est couché, qu'il n'ya pas eu de coup d'Etat." zitiert ebd. S259
44. zitiert in Hamoumou 1993, S.261
45. Die Integration hielt er aus der Übezeugung der Höherwertigkeit der Franzosen gegenüber den Algeriern für ausgeschlossen. 1960 äußert er: "[...] vous n'imaginez tout de même pas qu'un jour, un Arabe, un musulmans, puisse être l'égal d'un Français.! Voyons, c'est impensable." zitiert ebd. S.264
46. Eine wirksame Waffe sah der FLN u.a. in der Intenationalisierung des Konfliktes. Er erreichte, das am 20. Dezember 1960 eine UNO-Resolution für die Selbstbestimmung des algerischen Volkes verabschiedet wurde. cf. Pervillé, S.220
47. Pervillé, S.221 und Pervillé, S. 225
48. cf. ein Interview mit Jean-Paul Sartre des Magazins L'Express vom Januar 1961, in Sartre, S.122ff.
52. Der Bachaga Boualam wird zitiert: "[...] les autorités vinrent leur annoncer qu'on allait remplacer leurs antiques fusils de chasse par des armes automatiques. Tous pousserent des cris de joie et remirent leurs fusils. Ils attendent encore les armes promises. Ils en trouverent d'autres, celles qui les mettaient en jou." Méliani, S.62f.
53. "En effet, au plus haut niveau on sait que les harkis, du fait de leurs engagement, sont, dans le cas d'une victoire du FLN, des condamnés à mort." Catherine Wihtol de Wenden und Rabah Yahiaoui in Hommes et Migrations, September 1990, S.8. Abd-El-Aziz Méliani zitiert den Kommandanten Pierre Rivière: "[...]le désarmement des harkas pour les livrer à l'ennemi, promis dans les clauses secrètes des accords d'Evian, nécessitait des troupes sûres commandées par des officiers sans état d'âme [...]", Méliani, S.59
54. "[...] le gouvernement donnait l'ordre au commandement de dissoudre les unités supplétives en les désarment et leur donnés une prime de démobilisation. ... Leur désarmement pour les livrer à l'ennemie, promis dans les clauses sécrètes des accords d'Évian, [...]." Pierre Riviere, Kommandant einer Einheit von Supplétifs, zitiert ebd.
55. In einem UNO-Bericht wird die Zahl der bedrohten Algerier auf 263 000 geschätzt. "Au 13. Mars 1962, lors du cessez-le-feu en Algérie, un rapport transmis à l'ONU évaluait le nombre de musulmans pro-français à menacés à 263.000 hommes, soit [...] 58.000 harkis [...]." ebd. S.9
57. "Le chapitre II des Accords [d'Evian] consacré à la "protection des droits et des libertés des citoyens algériens de statut civil de droit commun" n'évoque pas les Algériens de droit local, c'est-à-dire la majorité des musulmans pro-français [...]." Hamoumou 1990, S.28
58. "Le Français musulmans [...] n'ont donc été [...] que des pions sur un échiquier politique. Analyse confirmée par l'attitude des gouvernants face au rapatriément: l'imprivésion, les reniements équalurent à l'époque à un abondon cynique et criminel." Hamoumou 1990, S.35
61. "Dans chacque commune [...] trente a cinquante personnes furent abbatues. [...] Dans certaines communes, la totalité des harkis a tuée [...] Enfin eurent lieu des massacres généraux dans des villages qui avaient été les premiers à se rallier à la France en 1957." M. Robert zitiert in Hamoumou 1990, S.31. "[...] estime le bilan de ces massacres de l'ordre de 1000 à 2000 victimes par arrondissement (72) soit environ 100.000 morts [...]. [...] 100.000 est, hélas, un minimum. Il est vrai, qu'aux 100.000 victimes entre le 19 mars 62 et le décembre 62, il faut ajouter celles, fréquemment oubliés, de 1963 à 1964. En effet en 1964, il restait encore environ 15.000 prisonniers dont beaucoup seront 'disparus à jamais'." Hamoumou 1990, S.32
65. "L'inconscience politique devient sans limite et s'aggrave de l'interdiction faite aux chefs des S.A.S. et aux commandants d'unités de procéder à un rapatriément vers la métropole lesquels avaient pris l'initiative de rapatrier leurs subordonnés à titre individuel!" Jordi, S.172
66. zitiert u.a. in Catherine Wihtol de Wenden und Rabah Yahiaoui in Hommes et Migrations, September 1990, S.9
68. "[...] ils seront torturés et massacrés: [...] Le dossier de mutilations, lapidations, exécutions, sévices, avec un régistre de cruautés inimaginables, relève de la stricte barbarie. Il était prévisisble et prévu." Pierre Montagon zitiert ebd. S.10
69. Auch wenn in der Anfangszeit nicht explizit keine Franzosen waren, so brauchten sie doch jetzt eine Carte d'identité, die die meisten nicht in der Lage waren zu beantragen. "[...] les supplétifs voyaient soudain leur appartenance pourtant naturelle et tant de foisréaffirmée à la mère patrie remise en cause et subordonnée à des demarches discriminatoires dont ils étaient bien incapables d'accomplir les premiers pas." Nicolas d'Andoque, SAS-Offizier, zitiert in Roux, S.208
70. Mr. Ouali Azem berichtet bei einer Parlamentsdebatte am 11. Mai 1962: "Tout est mis en uvre pour empêcher avant l'autodétermination le départ des musulmans dont la vie est en danger de mort [...] L'Administration exige un certificat de travail et un certificat d'hébergement." zitiert in Hamoumou 1993, S.270
71. Ein Harkis mußte erst auf sein statut de droit local verzichtet haben, den statut de droit commun zu beantragen, und dann konnte er erst ins Mutterland als Franzose einreisen. Theoretisch für alle möglich, praktisch von den wenigsten auf Grund von Mangel an Wissen und Hilfe erlangt. cf. Roux, S.265ff
72. Einige gingen schon längst vorher in den Untergrund, um mit der Organisation armée secrète (OAS) eine terroristische Welle über Frankreich zu bringen.
73. Mr. Robert, Unter-Präfekt von Akbou: "Aucun plan général ne fut organisée pour mettre à l'abri les supplétifs les plus menacés; les seuls directives reçues furent des consignes restrictives." zitiert in Méliani, S. 68f.
74. Louis Joxe im März 1963: "Les supplétifs débarqués en métropole en dehors du plan général de rapatriement seront, en principe, renvoyé an Algérie. je n'ignore pas que ce renvoi peut être interprété par les propagandistes de la sédition comme refus d'assurer l'avenir de ceux qui nous sont rester fidèles, Il conviendra donc d'eviter de donner la moindre publicité à cette mesure." zitiert in Catherine Wihtol de Wenden und Rabah Yahiaoui in Hommes et Migrations, September 1990, S.10
77. Pierre Vidal-Naquet im Monde am 11. November 1962: "Il y a là la continuation de la vieille attitude raciste et coloniale." zitiert in Roux, S.207, cf. Roux, S.232ff
78. Es gab in fast jeder Familie in Frankreich Männer, die in Algerien als junge Männer waren. Die wenigsten werden die Scham gegenüber dem Verlassen von Menschen in lebensbedrohlicher Situation, dem Gezwungensein zum Nichthandeln und den Schrecken dieses Krieges vergessen haben.
79. "[...] Mr. de Saint-Salvy, contrôleur général et auteur d'un rapport alarmant adressé le 9 mai 1962 à Alexandre Parodi, vice-president du Conseil d'Etat. Mr. de Saint-Salvy estime qu'il est 'hautement justifié de procéder à une enquête approfondie sur les crimes de guerre commis en Algérie depuis le 19. mars 1962, crimes sans précédent depuis la dernière guerre mondiale et dépassant tout ce qui pu à être constaté en Asie ou en Afrique noire.'" Méliani, S.73
80. Das Engagement der Offiziere für die Harkis, die gegenseitige "Treue" können vielleicht die anscheinend paradoxe Nähe mancher Harkis zum Front National erklären. Der erste Musulman, der in Frankreich 1981 fast einen Sitz im Parlament bekommen hätte, war ein vom FN aufgestellter ex-Harki.
82. K.-D. Bouneb nennt dies das "Vergehen des Gesichtes"; Rassismus greift am schnellsten bei augenscheinlichen Unterschiedlichkeiten.